„Um so besser!“ schmunzelte der Herzog, erzählte den Damen Götz die Sache, bedauerte, daß er ihnen die Freude nicht habe machen können.
Zwei Tage darauf schenkte Süß der Demoiselle Elisabeth Salomea das Auge des Paradieses. Es war ein aus der Maßen kostbares Präsent, im ganzen westlichen Deutschland sprach man davon, der junge Expeditionsrat Götz wußte durchaus nicht, was er anfangen solle.
Ungerufen erschien Süß vor dem finstern Herzog. Auf die Art, wie es Karl Alexander zu tun pflegte, rühmte er frech, schmalzig, umständlich und sehr ins Detail die angenehmen Eigenschaften der Demoiselle.
Die Faust erhoben, stapfte der wütige Karl Alexander massig und bedrohlich auf den Juden zu. Der stand und rührte sich nicht und schaute ihn an.
Doch Karl Alexander hielt ein. Schnaufte röchelnd. „Wir sind quitt, Jud!“ sagte er endlich heiser.
Aber der Jude schwieg. Und der Herzog wußte, daß er nicht erlöst war.
Unterdes hatte man in der Hofburg des Fürstbischofs von Würzburg einen besonders feinen, kniffligen Plan ausgetiftelt. Nach dem Muster der Regierung der österreichischen Niederlande sollte Württemberg eingeteilt werden in zwölf militärische Obervogteien. Jedem Obervogt sollte ein Regiment Soldaten zugeordnet, die Beamten ihm unmittelbar unterstellt sein. Das bedeutete die rein militärische Verwaltung des Landes, die Legalisierung der Militärautokratie.
Um das Parlament vollends lahmzulegen, war ein Dekret vorbereitet, das jeder Sitzung des Elfer-Ausschusses einen vom Herzog bestimmten Geheimrat beiordnete. Dieser Beamte sollte die herzoglichen Anträge begründen, zugleich aber auch acht haben auf diejenigen, welche sich gegen die Vorlagen aussprächen; sei ihre Meinung die bessere, so werde man sie annehmen, geschehe aber die Opposition aus purer Böswilligkeit und Widerspruchsgeist, so werde man eben ein Stück oder mehrere auf die Festung setzen.
Unter Vertilgung von zahllosen Schalen Kaffee arbeitete der unscheinbare Geheimrat Fichtel, assistiert von dem Konsistorialpräsidenten eine umständliche, höllisch schlaue Deduktion aus, die vor Kaiser, Reichstag und Corpus Evangelicorum diese Willkürmaßnahmen rechtfertigen sollte. Mit treuherziger Biederkeit war die Verfassung ins Gegenteil kommentiert, mit feinster advokatischer Kunst war vor allem das Argument ausgespielt, bei den zwischen Herrn und Landschaft errichteten alten Verträgen sei wohl zu beachten, in was für Zeiten solche gemacht worden; mit dem, was vor Jahren gut gewesen, sei in heutigen Tagen nicht mehr hinauszugelangen.
Tausend Hände arbeiteten geschäftig ineinander. Papst und Kaiser gaben wohlwollend ermunternde Winke, und jene alten, nebelhaften Abmachungen, die Karl Alexander bei Regierungsantritt mit den Wiener Räten getroffen hatte, wonach er den Kaiser im Franzosenkrieg, der Kaiser ihn bei Wahrung seiner Souveränität mit Truppen solle unterstützen müssen, gewannen plötzlich einen für die württembergische Verfassungspartei sehr bedrohlichen Sinn. Der alte Fürst Thurn und Taxis reiste in den österreichischen Niederlanden und gab von dort Direktiven für die Stuttgarter Verwaltungsreform. Die militärische Organisation besorgte straff und grob Remchingen, die finanzielle Süß, die diplomatische Fichtel, die Aushöhlung und Zermürbung des Parlaments Weißensee.