Es war kurz vor acht Uhr. Man fand sich immer ein paar Minuten vor der Zeit ein, teils um des notwendigen, sehr beliebten Flirts willen, teils um die ebenso berechtigte Medisance zu Wort kommen zu lassen.

Nur die ganz jungen Fräuleins kamen naiv um des Singens willen, sie schwärmten aber für den Kapellmeister. Daß er verheiratet war, tat nichts zur Sache, da die Backfische gänzlich wunschlos schwärmten.

Der Meister kam und bestieg sein Pult.

»O Gott!« sagten die ganz jungen Fräuleins und sahen sich errötend an.

Die älteren Damen warfen sich bedeutungsvolle Blicke zu; denn der Musiker hatte mit einer unter ihnen einen kurzen Gruß getauscht. Man wußte, daß sie einander sehr genau kannten.

»Ekelhafter Patron,« näselte ein Student, »glaubt sich hier Hahn im Korb.« Die Studenten waren wütend, weil sie von den Backfischen nicht beachtet wurden; die hatten nur Augen für den verehrten Meister.

Der Kapellmeister gab das Zeichen zum Beginn. Man übte aus Carmen.

»Ich bitte die Bässe gefälligst beginnen zu wollen!« rief der Dirigent. Alle erhoben sich, und: Mut in der Brust, siegesbewußt! erscholl es unter den großen Blättern.

»Halt! Etwas mehr Feuer, muß ich bitten!« rief der Kapellmeister. Also noch einmal: Mut in der Brust, siegesbewußt! Diesmal wurde der Chor zu Ende gesungen.

»Meine Herren,« schrie der Musiker, »ich habe Sie singen lassen, um einmal den vollen Eindruck eines derartigen Singsangs zu bekommen! Meine Herren! Ist das gesungen? Das ist geleiert. Haben Sie denn keine Ahnung, was das ist: Mut in der Brust? Hat denn noch keiner von Ihnen Siegesbewußtsein empfunden! Mut ist – –«