»Arbeitstiere ihr,« sagte er verächtlich. »Ihr braucht auf euren Stand auch noch stolz zu sein. Grobes Volk, aller Schönheit bar. Wir Schmetterlinge sind der Zweck der Schöpfung. Wir sind das Schöne. Wir tragen den blauen Himmel, die bunten Blumen, die durchsichtigen Steine und den Schimmer des Goldes auf unsern Flügeln. Wir baden uns im flirrenden Sonnenstrahl und nähren uns von glitzerndem Tau. Wir leben um zu genießen. Ohne uns wäre die Welt öde, glanzlos, traurig.«

Er berührte den silberschimmernden Atlas der Narzisse mit den zarten Flügeln. Die Biene flog mürrisch summend davon, dem Garten zu, wo ihr Korb stand. Sie flog mit ihren beschwerten Füßen langsam an der blauen Roßfliege vorüber, die eben heimkehrte in der Mitte ihrer Anbeter.

»Faulenzer,« brummte die Biene.

In der Nacht kam ein Frost. Am Morgen lagen sie alle starr und steif am Boden, die Fliegen, die Biene und der Schmetterling. Auf dem Rücken lagen sie und streckten die Beine gen Himmel. – Über ihnen lächelten die Sterne.

Der Gesangverein

Mitten in einem Steinbruch lag ein Tümpel, der von großen Blättern beschattet war, und wo der Gesangverein »Froschenia« seine Übungen abhielt. Jeden Donnerstag Abend.

Es war ein feiner Gesangverein, und nur feine Leute sangen mit. Waren andere Elemente eingetreten, so wurden sie rechtzeitig hinausgeekelt. Sämtliche Mitglieder hatten Grün als ihre Farbe erwählt, und so erschienen bei den Übungen die Damen in grünen Roben, die Herren in ebensolchen Fracks, mit weißen oder gelben Piquéwesten*.

* Die Verpflichtung, nur grün gekleidet den Übungen beizuwohnen, hielt auch Unbemittelte fern. Sie waren nicht erwünscht.