Als das spanische Huhn starb, hielt der Hahn die Grabrede. Er nannte die Andalusierin die Klügste des Hühnerhofes.
»Des Hühnerhofes,« nickte klappernd der Storch und flog davon.
Der alte Schafbock
In der Schafherde lebte ein alter Bock. Er war nicht liebenswürdig gewesen, als er jung war, und er glaubte nun das Recht zu haben, noch viel weniger liebenswürdig zu sein, da er alt geworden. Um seines Alters willen mußte die ganze Herde sich ihm beugen. Einzig gegen die jungen Schäfchen war er freundlich, und die hätten es lieber gehabt, wenn er weniger artig gewesen wäre. Dies fanden auch die jungen Böcke. »Das Recht des Alters« nannte es der Schafbock, wenn er an den Lämmern herumschnüffelte.
Er hatte aber noch andre Eigenschaften.
Meistens erzählte er lange, langweilige Geschichten, und vergaß im Laufe der Erzählung das Ende. Er fing dann von vorne an und erzählte die Geschichte noch einmal. Aber dann passierte es ihm leicht, daß er die Pointe einer andern Erzählung dieser anfügte. Das merkten aber nur die andern, er selbst nie.
Man sah es ihm immer an, wenn er erzählen wollte, er hatte dann einen matten, in sich gekehrten Blick. Wer ihn bemerkte, nahm Reißaus. Nur die ganz Jungen nicht, die sahen nie, was ihnen drohte; noch nicht einmal merkten sie es, wenn der Alte sie zu sich rief.
»Laßt euch einmal erzählen, wie zu meiner Zeit die Alten behandelt wurden,« sagte er dann, und die Helden seiner Geschichten wurden jedesmal tugendhafter, und die Böcklein, die zuhörten, kamen sich jedesmal gemeiner vor, wenn sie sich mit den Altersgenossen des alten Schafbockes verglichen. Aber wieder nur die ganz Jungen.
Die andern kannten die Form, nach der die schönen, moralischen Lügen geprägt wurden.