Der alte Bock hatte aber nicht nur Belehrendes zu erzählen. Stand er unter den Schafen, so ging es nach einer andern Melodie, und hatte er sich gar an die Jungen herangeschlichen, so hörte er überhaupt mit Erzählen auf, und die Lämmlein mußten sich von ihm lecken lassen, so sehr ihnen vor seinen kahlen Stellen im Pelz und seinen roten Augen ekelte.

»Denkt, ich sei euer Großvater, meine Lämmchen,« sagte er. Aber das dachten sie nicht und sprangen bei der ersten Gelegenheit davon.

Der alte Schafbock hörte nicht mehr gut, deshalb mußte jedes Wort, das in seiner Gegenwart gesprochen wurde, wiederholt werden, auch das gleichgültigste.

»Das ist das Recht des Alters,« behauptete er auch da. Zudem nahm er alles übel, und die Jungen mußten um Verzeihung bitten, wenn sie es schon nicht böse gemeint hatten.

»Das ist die Pflicht der Jugend,« sagte er. Er hatte auch ein schlechtes Gedächtnis und wiederholte fortwährend dasselbe. Wenn den andern die Geduld ausging, und sie über ihn weg zusammen redeten, wurde er wütend.

»Nie wäre so etwas zu meiner Zeit möglich gewesen,« schrie er. »Die heutige Jugend ist entartet, der Respekt vor dem Alter ist tot!«

»Warum soll man eigentlich gerade vor dem Alter Respekt haben?« fragte ein kräftiges Böcklein.

»Warum? Warum?« Der Alte schnappte nach Luft. Er erstickte fast vor Zorn. Er schnaufte und nieste und schäumte und bespritzte die Umstehenden. Aber als er fertig war, fand er doch keine Antwort.

»Darum!« mähte er endlich heiser. »Ich verlange Respekt von euch, das ist mein Recht! Ihr habt zu schweigen, wenn ich rede, ihr habt zuzuhören, wenn ich erzähle, ihr habt stillzuhalten, wenn ich euch liebkose. Ihr habt mir nicht zu widersprechen, wenn ich etwas behaupte, und ihr habt mich zu ehren und zu lieben und zu achten.« Erschöpft schwieg er.

»Warum?« fragten sie wieder. »Wir wollen wissen warum!«