»Weil ich alt bin!« Der alte Schafbock ging seinem Stalle zu, um zu schlafen.

»Wenn er freundlich wäre,« sagten die Schafe, »wir wollten ihm gerne helfen und ihm dienen!«

»Wenn er würdevoll wäre,« sagten die jungen Böcklein, »wir wollten ihm gerne gehorchen.«

»Wenn er weise wäre,« sagten die alten Schafe, »wir hörten gerne seine Lehren. Aber er ist nur alt. Hat er darum ein Recht auf unser aller Wohlbehagen?«

»Nein,« schrien alle, »er hat keines! Wir wollen ausziehen und uns belehren über die Rechte des Alters.« Die ganze Schafherde ging über Land.

Sie fanden ein altes Pferd auf der Weide. Still und ruhig graste es. Sprangen unerfahrene, junge Pferde zu nahe an den Fluß, so hielt es sie auf. Den Füllen wehrte es die Fliegen. Wollten die Pferde in wildem Jagen ihre Glieder üben, so stand es beiseite, und freute sich der tollen Sprünge und gedachte dabei der eigenen Jugend. Und die jungen Pferde suchten die saftigsten Kräuter und führten das alte Pferd dorthin. Sie rieben sich schmeichelnd an ihm und scherzten mit ihm. Sie liebten es, denn es freute sich ihrer Jugend.

»Hat das alte Pferd von seinen Rechten gesprochen?« fragte der Leiter der Schafherde.

»Kein Wort!« riefen alle. Darauf fanden sie einen rissigen, uralten Baum. Hohl war sein Stamm, und dürre Äste ragten traurig zum Himmel auf. Aber fröhlicher Efeu war am Stamme in die Höhe geklettert und schmiegte sich schmeichelnd an die Eiche.

»Kann der Baum den Efeu zwingen, ihn zu schmücken, darum weil er alt ist?« fragte der Leitbock die Herde.

»Niemals,« antworteten die Tiere.