»Was weiß die Katze! Die versteht nichts von Medizin,« sagte er verächtlich. »Ich hole dir den Doktor, der hilft dir sicher.« Böse lief die Katze davon, und der Hund geleitete die Kranke nach Hause.

»Wie du meinst,« sagte die Henne mit ihrer letzten Kraft. Im Hühnerhof streckte die Bedauernswerte beide Beine von sich und atmete mühsam und stoßweise.

»Sie muß besser genährt werden,« sagte eine gefräßige, grünschillernde Ente, »gebt ihr doch zu essen.« Sie stopfte so viele Regenwürmer, Käfer und Erde in den Schnabel des Huhnes, als hineingehen wollte. Das gute Tier behielt den Schnabel gleich offen, damit die Ente weniger Mühe habe. Die mußte es verstehen, einen Kranken zu nähren, denn sie fraß selber den ganzen Tag. Alle Hühner, Puten, Perlhühner und Truthähne standen im Kreis um das Huhn herum. Jedes tat sein Bestes mit guten Räten. »Wie du meinst,« sagte das Huhn zu einem jeden. Zuletzt konnte sie auch das nicht mehr sagen.

Da kollerte der Truthahn, blies sich auf, wurde rot und trommelte: »Fieber hat sie. Ihr Leib ist zu heiß, sie hat zu viel Federn,« und er und seine Henne ließen es sich angelegen sein, dem Huhn die Brustfedern auszurupfen. Es zitterte heftig, wehrte sich aber nicht und sagte nichts. Sie mußten ja wissen, was sie taten.

Da kam der Hund mit dem Doktor.

Er fühlte an der Kranken herum, sah ihr in den Schnabel, untersuchte ihr die Augen, sah nach, ob es ihr am Vermögen zum Legen fehle und wollte eben seine Verordnungen zum besten geben.

Da wurde das geduldige Huhn plötzlich wütend. Es hatte genug. Es schrie und gackerte gellend und heiser, rannte, als hätte es den Verstand verloren, im Kreise herum, sprang in die Höhe, schlug sich den Kopf an die Baumstämme, tobte und wütete, daß alle die Umstehenden entsetzt und in großer Angst zurückwichen.

»Sie ist verrückt geworden,« dachte der Hahn und ergab sich in das Schicksal, eine andere Henne zu seinem Lieblingshuhn ernennen zu müssen.

»Warum hat sie nicht getan, was ich ihr riet,« schnatterte die alte Ente erbost. Sie vertrug alles, nur nicht, daß man ihren Rat mißachtete.