»Was? Was wollen Sie eigentlich sagen? Was für ein Verhältnis? Der – und ich?« Die Maus, die die schwere Aufgabe übernommen, der hübschen Feldmaus mitzuteilen, daß sie sich nicht ungestraft einem sträflichen Glück hingeben könne, saß auf ihren Hinterpfötchen, ringelte zierlich das graue Schwänzchen, drehte den Schnurrbart und besah sich zufrieden. Sie war weiß geworden, so weiß, wie ihre selige Großmutter nie gewesen. Wahrhaftig.
Die braune Feldmaus aber hatte der Schlag getroffen vor Entrüstung über die ungerechte Anklage.
»Ein Gottesgericht,« sagte nachher die weiße Maus zum Maulwurf. Sie gingen und riefen den Totengräber, daß er seines Amtes walte.
Schicksal dreier Freunde
(Ein Scherz)
In der Herberge »Zum harmlosen Haustier« waren unter anderen auch drei Handwerksburschen eingekehrt, ein Floh, eine Laus und eine Wanze. Sie waren aus südlichen Ländern gekommen und wollten es nun für einige Zeit mit dem Norden versuchen.
Überhaupt, sie wollten die Welt kennen lernen. Da sie nun ungefähr alle dasselbe Ziel hatten, so ziemlich dieselben politischen Ansichten und alle drei italienisch verstanden, so verband sie bald eine feste Freundschaft.
Die Wanze entstammte behaglichen Verhältnissen. In einem reichen Bauernhaus hatte sie das Licht der Welt erblickt, und sich auch – einem Vertrag gemäß, den die Familie seit Generationen besaß – von dem Blut der angesehenen Familie genährt, zu der gehörig sie sich betrachtete.
Es war mehr Neugier als Notwendigkeit, die sie bewog, ihren reichen Brotkorb zu verlassen und aufs Ungewisse in die Welt hinauszureisen. Aber warne einer die Jugend. Vater und Mutter Wanze konnten nichts anderes tun, als ihren Sohn neu ausstatten, und ihm den einzigen weisen Spruch mitgeben, den sie kannten: Laß dich nicht erwischen.
Bei der Laus standen die Sachen anders. Sie war hinterm Zaun geboren, unter Zigeunern. Da war keine Seßhaftigkeit, kein Eigentum, kein Respekt vor Mein und Dein. Die Köpfe der Leute gehörten jedem, der kam und sich ansiedelte. Gefiel es einem nicht mehr auf diesem Kopf, so probierte man es auf jenem, kurz, der Laus war das Zigeunertum so in Fleisch und Blut übergegangen, daß sie es bei ihrem Stamm nicht mehr aushielt und sich schleunigst auf Reisen begab. Ihr größter Feind war die Seife, und sie war so darauf eingewöhnt, sie von weitem zu riechen, daß es ihr kaum je geschah, sich auf einem Kopf niederzulassen, der mit Seife in Berührung gekommen. Sie erwartete viel von der Zukunft; die größten Abenteuer und die kühnsten Unternehmungen schreckten sie nicht ab. Ihre Devise war: Ich verfolge meine Feinde.