Die Mutter nickte, indem sie das Lächeln erwiderte. Ueber die Schale geneigt, sog sie den kühlen Duft des Obstes in sich ein.
»Auf alle Fälle schmecken sie besser,« sagte sie, »und außerdem machen sie, daß man auf Augenblicke das ganze Leben besser genießt, während man sie verspeist. Man genießt sie ja nicht nur um des lieben Futters willen als bloße Magenfreude, nicht wahr?«
Als Cita nichts antwortete, richtete sie sich auf und faßte ihre Aelteste zärtlich um die Schulter.
»Aber du sollst dich hier keineswegs mit Hausarbeit plagen, mein lieber kleiner Professor du. Hast nun einmal eine Sybaritin zur Mutter. Bist aber rechtschaffen zerarbeitet angekommen und sollst nichts thun, als es dir wohl sein lassen, — faulenzen. Wenigstens einstweilen, — bis über Weihnachten hinaus.«
Und mit einem unterdrückten Seufzer fügte sie leiser hinzu: »Schnell genug verlier ich dich ja wieder.«
Sie fuhr sich mit der Hand über die Augen, wie um den störenden Gedanken zu verscheuchen. Als nun Sophie, etwas erhitzt und eilig, von Stanjka gefolgt, hereinkam, nickte sie der jüngern Tochter schon wieder wohlgemut zu.
»Also zu Tisch, Kinder! Wir wollen es uns schmecken lassen,« sagte sie und hob den Deckel von der dampfenden Terrine mit roter Beetensuppe, in der Saucischen und Schinkenschnitten schwammen.
Sophie küßte die Mutter, ehe sie sich ihr gegenüber setzte.
»Ich bin nicht in den Mädchenkursen gewesen, weil du es des Wetters wegen nicht wolltest. Dafür hab ich ziemlich lange Geige geübt, und später habe ich über den Büchern gesessen, die Doktor Tomasow neulich brachte,« berichtete sie über ihren Tag, »er hat gewiß noch herrliche Dinge in seiner Bibliothek, aber er sagt, ich möchte mich erst an diese Werke halten.«
»Thu blind, was er sagt,« bemerkte die Mutter, »aber warum ißt du mir so wenig, Kind? Nimmst du nicht von der sauren Sahne zur Suppe? Ich fürchte, das Herumstehn in der heißen Küche ist nichts für dich; — es raubt dir den Appetit.«