»O nein! Ich esse schon noch.«
Cita hatte auf den Lippen, zu äußern: »Die berühmte Haushaltungsarbeit ist eben lange nicht so gesund, wie ausposaunt wird.«
Aber sie schwieg noch immer. Es war so entsetzlich schwer, in Mas Gegenwart ein spöttisch gefärbtes Wort mit dem nötigen Selbstbewußtsein herauszubringen.
Wie ein Unrecht wurde es gleich, denn die Mutter hätte den Spott darin nicht bemerkt. Für Spott fehlte ihr das aufnehmende Organ. Sie wäre ihm gleichsam mit offnen Armen entgegen gegangen und hätte erwidert: »Meinst du wirklich, Kind?« und dann hätte sie versucht, mit vereinten Kräften, mit Citas eigner Hilfe, ausfindig zu machen, was zu thun sei, — — und ob nicht lieber Ma selber beim Heimkehren von den vielen Stunden jedesmal erst noch kochen solle —.
Die Mutter unterbrach ihren Gedankengang. Als das Fischgericht auf den Tisch kam und sie davon austeilte, sagte sie: »Allernächstens, wenn ich nach Hause komme, sorge ich für einen großen Weihnachtsbaum. Es ist Zeit, sich nach einem umzusehen. In den letzten paar Tagen vor dem Festabend steigen sie im Preise. — Diesmal müssen wir das Allerschönste haben, was es überhaupt gibt.«
Beide Mädchen sahen einander unwillkürlich, wie auf Verabredung, an.
»Einen Baum —?« fragte Sophie und stocherte im Fisch auf ihrem Teller.
»Ja, sicherlich. Etwa nicht? Warum denn nicht, ihr Kinder?«
»Wir haben doch voriges Jahr auch keinen gehabt.«
»Nein. Das lag jedoch an Zufällen. Wir konnten nicht gut anders, als bei Tante Ottilie sein. Und dann waren wir ja auch so traurig getrennt und verwaist, ohne unsre Cita.«