Ganz unbeweglich saß sie da. Und ihm wurde es fast unheimlich, so auf sie hinzuschauen. — — Als müßte er schnell, jetzt gleich, irgend einen Bannspruch, irgend einen Wahrspruch finden, — der ihre finstern Gedanken, — der den Lebensgedanken selbst — in Freude löste. — — Oder als würde sie sich selbst langsam erheben, unmenschlich groß, und etwas Unerhörtes, Unüberwindliches sagen —.
— In solcher Stimmung hört man als Kind Märchen erzählen — —.
Tomasow erhob sich und trat zu ihr hin ans Fenster.
Da blickte Wera Petrowna auf. Sie sah auf mit dem welken, freundlichen Antlitz einer alten Frau, die sich Sorgen macht.
»— Arme Marinka —!« sagte sie nur mit einer schwachen, bekümmerten Stimme.
IV.
»— Also: Schluß für vierzehn Tage. Junge, klapp die Bücher zu und freu dich!« sagte Marianne zu ihrem Neffen nach Beendigung der französischen Montagskonversation.
Sie saßen schon bei der Lampe im Lernzimmer der ältern Kinder. Nikolai hatte beide Ellbogen aufgestützt und schob trübselig seine etwas breit geratene Unterlippe vor.
»Freu mich gar nicht. Aber auch nicht die Spur!« versicherte er; »worauf denn? Eine Menge Familientage, schrecklich lange Mittagessen, — und zu Hause sitzen —. Ob man sich schließlich in der Schule ducken muß oder zu Hause — —. Mußt du denn schon gehn?«