Marianne war heute so besonders angenehm gewesen, fast so lustig wie ein guter Schulkamerad, daher paßte es ihm nicht, daß sie schon ging.

»Du hast doch eine Menge Vergnügen in deinen Ferien! Ein undankbarer Junge, nicht wahr, Inotschka?« meinte Marianne.

Inotschka beugte sich über ihre Weihnachtsstickerei, die ihr heute wirklich Eingang zu der Montagsstunde verschafft hatte. An diesen Tagen heimlicher Arbeit ging vieles ungerügt durch.

»Ach, was weiß denn Ina! Ein Mädchen! Gut ist es doch nicht eher, als bis man groß ist und ein selbständiger Mann,« konstatierte Nikolai, griff verdrießlich nach seinen Büchern und verließ das Zimmer.

Inotschka antwortete ganz still: »Nein, so darf man nicht sprechen. Die Eltern bereiten uns so viel Freude, wie sie nur können. Wir müssen ihnen sehr dankbar sein.«

Dann sah sie jedoch sehnsüchtig zu Marianne hin und fügte in ganz anderm, drängendem Tone hinzu: »Warum ist es nur so, daß ihr diesmal nicht mit uns Weihnachten feiert? Ach, thus doch! Weißt du noch: voriges Jahr — —!«

Marianne, die schon aufgestanden war, strich mit der Hand Inotschka über das weiche Haar, dessen feinen seidigen Strähnen man die Fülle, die sie enthielten, kaum ansah. Es lockte sie immer heimlich, dies feine Haar zu lösen und ganz anders zu ordnen.

»Das war ja nur ein Zufall voriges Jahr! Du mußt dich nicht so danach sehnen,« sagte sie sanft. »Sieh mal: ist es denn nicht überhaupt ein Zufall, daß ich hier in eurer Nähe lebe? Wie leicht hätte es so kommen können, daß ich im Auslande blieb. — — Und vielleicht — — vielleicht kommt es noch dazu, Inotschka.«

Die Kleine hatte ihre Stickerei auf den Tisch geworfen. Sie schaute mit erschrockenen Augen empor.

»Das — das hab ich gefühlt —!« entfuhr es ihr heftig.