»Aber nein! Sei nur ruhig, meine kleine Ina, — heute und morgen ist noch alles beim alten. — — Und übermorgen, im Handumdrehen, — da ist aus der Ina schon ein großes, vernünftiges Mädchen geworden!« beschwichtigte Marianne sie tröstend.

Aber Ina war aufgesprungen. Sie hing sich Marianne an den Hals und brach hilflos in Thränen aus.

»Ich werde nicht groß! Ich werde nicht vernünftig! Alle Vernünftigen sind so gräßlich. Laß mich doch klein bleiben! Laß mich bei dir bleiben!«

Marianne blieb ganz stumm. Sie schlang nur ihre Arme um sie und küßte sie auf das Haar und auf die weinenden Augen. Dann, nach Minuten schweigender Liebkosung, beugte sie den Kopf tief zu Inotschka nieder und flüsterte ihr ins kleine heiße Ohr: »Sei still, mein Herz, ich komme jetzt oft und oft zu dir, — so oft du mich nur wirst haben wollen —.«

Ina ließ sie los und blickte ungläubig auf. »Wirklich?! Sagst du es auch nicht nur so?«

»Nein. Ich sage es nicht nur so. Ich werde Mama um die Erlaubnis bitten, recht oft kommen zu dürfen, um mit dir zusammen zu sein.«

»Und glaubst du, daß — —, meinst du, Mama wird erlauben, daß du so wirklich zu mir kommst — —? Denn wenn ich mit den Großen dabei zusammensitzen soll — —«

Marianne setzte sich auf Inas Stuhl und zog sie wie ein kleines Kind zu sich auf die Kniee.

»Mama erlaubt alles, was geeignet ist, dich froh und glücklich zu machen,« entgegnete sie zuversichtlich, und als sie Inas schüchterne Augen voll Zweifel auf sich gerichtet sah, fügte sie ernst hinzu: »Du denkst mit Unrecht, deine Mama enthielte dir dies oder jenes vor, und du wirst scheu, weil du meinst, vor verschlossnen Thüren zu stehn. Aber sie gehn noch alle auf, mein Liebling. — — Siehst du, davon und von vielem andern will ich dir erzählen, wenn wir so bei einander sind, wie jetzt.«

»Willst du mir von Mama erzählen, wenn du bei mir bist?« fragte Ina stockend und sah sie unsicher an.