Marianne streichelte sie mit einem feinen Lächeln voll Güte.
»Von uns Mamas überhaupt. Denn, weißt du wohl, wer das ist? Eine Mama, das ist jemand, der gewaltig reich geworden ist durch das Verlangen, recht viel zum Verschenken an seine Kinder zu haben. Aber die Kinder sind erst ganz klein, und dann jedes Jahr nur ein bißchen größer, und es dauert lange, bis sie ganz groß sind, sodaß sie wirklich alle die reichen Geschenke benutzen können. Daher muß Stück für Stück in festen Truhen verwahrt bleiben, und wenn die Mama aufschließt und nachschaut, was sich für ihre Lieblinge wohl schon eignet, dann darf sie sich doch nichts merken lassen von der Bescherung, für die es noch zu früh ist. Und dann sieht es den Kindern fast so aus, als hätte sie nichts übrig für sie. — — Aber alle ihre Truhen sind grade dann voll Gold. — — Jemand, der ungeduldig und sehnsüchtig zwischen lauter Truhen voll Kostbarkeiten umhergeht: das ist eine Mama. — — Weißt du es nun?«
Ina schmiegte sich fester an Marianne an.
»Und du hast auch solche Truhen, die du nicht aufmachst?« fragte sie, »— du auch?«
»Ja, ich auch. Viele — viele.«
»Aber einmal — da springen sie alle auf! Alle?« Ina richtete sich mit verlangenden Augen auf Mariannens Schoß hoch.
»Alle — alle!« versicherte Marianne mit unterdrücktem Jubel in der Stimme und legte ihre Arme um das kleine Mädchen. Man fühlte, daß irgend eine eigne große Freude oder Erwartung aus allen ihren Worten herausklang wie eine überströmende Wärme.
Inotschka lächelte, sie hatte leicht gerötete Wangen und sah unendlich zufrieden aus. »Was für wunderschöne Geschichten du aber auch weißt, Tante Marianne! Wirst du mir noch viele erzählen?«
»Ich werde dir gewiß noch schönere erzählen. Denn nun mache ich bald die allerschönste Truhe auf —«
»Für mich auch!« rief Ina vergnügt und klatschte in die Hände.