In der Furcht davor brachte sie kein Wort heraus.

Zum Glück kam Cita nach Haus, eh es Sophie auffiel.

Als sie zu ihnen ins Wohnzimmer trat, sprang Sophie vom Schoß der Mutter heiter auf.

»Denke nur!« rief sie der Schwester ganz unbefangen entgegen, »Ma und ich sitzen hier gemütlich und malen es uns eben aus, wie das sein würde, wenn wir in ein ganz kleines Universitätsstädtchen zögen, anstatt nach Berlin. Und wenn Ma dort gar eine Pension leitete, — und — und wir Sonntags nachmittags mit im Zuge der Mädchen vor dem Thor spazieren gingen —«

Sie erzählte es ganz wie einen Scherz. Und ganz wie über einen Scherz lachte Cita mit ihr.

»Uff!« sagte diese dann, die Handschuhe abstreifend, und warf sich in den Schaukelstuhl, — »wie gut ist es hier bei dir, Ma. Ja, das wird Sophie schon noch vermissen! Sie muß sich eben erst gewöhnen, man lernt es aber. Bis jetzt redet sie nur so hin. Wenn sie nur erst ordentlich in ihrem Studium drin ist —«

Marianne richtete ihre Augen müde und groß auf ihre Aelteste.

»Wenn es nur so ist, Cita, daß man dann nichts mehr vermißt,« sagte sie leise, mit matter Stimme, »— denn das meint ihr doch wohl nicht, — das kannst du doch selber nicht wollen: so ein Fachstudium, und nichts mehr dahinter und darüber —. Etwas so Spezielles, etwas so Hartes —. Du mußt nicht vergessen, wie sehr Sophie, — und früher auch du, — euch in einem allseitigern, harmonischern Ganzen geistig angeregt habt. Es schloß ein Studium nicht aus, aber das beseelte Leben ging doch noch drüber —.«

»Es war einfach dilettantischer,« bemerkte Cita ruhig. Sie hatte ernsthaft zugehört, während sie leise schaukelte und ihre Handschuhe bald zurollte, bald in alle einzelnen Finger auseinanderbreitete.

Marianne lehnte sich erschöpft zurück. Sie hatte sich gewundert, woher ihr nur so viele Worte kamen. Als ob sich ihre Zunge löste und selbständig spräche —. Aber als sie einsah, daß diese Worte ohne Wirkung waren, gab sie es auf, zu widersprechen.