Ja, vielleicht, — wer konnte es wissen —? Ihr Urteil und das der Kinder würde sich in diesem Punkt wahrscheinlich entgegenstehn. Welche Instanz wollte über sie richten?
Mariannens Gedanken verschwammen, schmerzgefoltert, undeutlich ineinander. Noch hörte sie die beiden plaudern und lachen und sich gegenseitig Stellen aus Büchern vorlesen.
Ihre Arme waren wie gelähmt. Die Stimmen schienen ihr von weit, weit her zu kommen. Konnte sie die Arme nicht mehr ausbreiten, ihre Mädchen darin zu umfangen? Konnte sie ihnen denn nichts, gar nichts zum kostbaren Besitz und zum Leitstern mit auf den Weg geben von alledem, was zu gewinnen ihres Lebens Inhalt gewesen war —?
Weit, weit gingen sie fort —. Und plötzlich kamen Marianne, — seltsam und leise, wie ein Raunen von Wind zwischen Blättern in der Nacht, — Klänge aus einem Lied, — aus einem Wiegenlied, der Dichtung eines Dichters von heute mit dem klaren Erkennen von heute. Es waren nur einzelne abgerissne Klänge, und während sie ihnen lauschte, wußte sie schon nicht mehr, ob sie sie nicht nur weinte —.
*) Aus Richard Beer-Hofmann, Pan 1899.
Die jungen Mädchen bemerkten gar nicht den Augenblick, wo Marianne das Zimmer verließ.
Erst als es hastig im Vorflur schellte, und gleich darauf Stanjka hereinkam und Tamaras Besuch meldete, blickten sie sich erstaunt nach Ma um.