Da sagte Marianne: »Weißt du, — halte mich nicht für die wetterwendischeste Person, die es gibt. Aber seit meinem Gespräch mit deinem Mann hab ich mirs anders überlegt. Ich halt es für unmöglich, fortzugehn.«

Tamara sah sie erstaunt und ungläubig an.

»Aber warum?!«

»— Diese ganze ungeheure Veränderung! Das schwierige Einleben dort. Wer weiß, ob wir alle drei es nicht später bereuen würden —. Es war eine erste Aufwallung, weißt du, aber — — die ist ganz vorüber.«

Tamara schwieg. Wie sie Marianne so dasitzen sah, bei dieser einzelnen Kerze, auf dem Rohrstuhl, — da erschien sie ihr plötzlich wie eine Gefangene zwischen den Wänden des eignen Zimmers — —.

Hinter Ma, über dem Bett, hing die Totenmaske ihres Gatten, daneben, wie ein Schmerzensschrei, Vogelers Radierung: das greise Paar, das in den Frühling hinausblickt.

Tamara sagte halblaut, tief betroffen: »Ach, Liebste, ich kann es nicht glauben. Wie — ja wie wollen Sie alle drei denn so ohne einander auskommen? Ist das nicht das Wichtigste —?«

Ma lächelte.

»Ich denke, ganz gut. Weißt du, Tamara, eins muß man durchaus lernen, — merke du dirs auch: die Dinge nicht zu weit zu treiben. Die Gefühle sich nicht über den Kopf wachsen zu lassen. Alles muß schließlich eine Grenze haben. Wenn man das gelernt hat, geht wirklich alles ganz leicht, — viel leichter.«

Tamara stand auf.