Als die Mädchen sahen, daß die Mutter nicht recht heiter gestimmt war, schoben sie es auf die Ermüdung durch den anstrengenden Tag, und unwillkürlich suchten sie ihre eigne Fröhlichkeit etwas zu dämpfen, die sich mitunter allzuhell Luft machte.

Marianne merkte es, und das Herz zog sich ihr zusammen. »Sie wagen nicht mehr, mir zu zeigen, wie glücklich sie über die Wendung der Dinge sind, — sie fürchten mich damit zu kränken, — sie verhalten es lieber vor mir, bis sie unter sich sind,« dachte sie.

Und die kleinen Zärtlichkeiten ihrer Kinder thaten ihr nur weh. Sie fühlte etwas Nachsichtiges aus allem heraus, — etwas Absichtliches. Nein, lieber noch wollte sie es sein, die sich vor ihnen verstellte, und mit ihnen froh sein.

Aber sie konnte es nicht.

Am nächsten Morgen beim Frühstückstisch wurde Cita doch trotz Mariannens Bemühungen stutzig. Sie meinte so genau zu wissen, daß die Mutter heute fast keine Lehrstunden mehr zu geben habe, und dabei schien sie sich doch so zu beeilen, um nur fortzukommen.

Marianne behauptete sogar, sie könne noch nicht zum zweiten Frühstück zurück sein, sondern erst spät am Nachmittag, sie möchten nicht auf sie warten.

Sophie machte ein pfiffiges Gesicht, offenbar hatte Ma heimliche Weihnachtsbesorgungen vor. Aber Cita blickte stumm und mit einem zweifelnden, besorgten Ausdruck vor sich nieder. Wohin ging die Mutter? Und warum sah sie dabei so gequält und müde aus? Ging sie vielleicht, um wieder mit Tomasow etwas zu besprechen? Und diesmal vielleicht etwas, womit sie ihren Kindern Leid anthat —? Ach, ginge sie doch nicht zu ihm! — —

Marianne atmete tief auf, als sie endlich auf der Straße stand.

Langsam machte sie einen weiten Gang im klaren Winterwetter, dann raffte sie sich zu einem Besuch bei einer aus dem Schuldienst scheidenden Kollegin auf, von der sie sich erst in den Feiertagen hatte verabschieden wollen. So kam allmählich die Zeit für die einzige Stunde heran, die sie heute geben mußte.

Dabei weilten ihre Gedanken zu Hause. Alle Räume ihrer kleinen Wohnung durchschritt sie, aber, als sei ihr Blick verhext, erschienen sie ihr alle schon öde und leer. Sie erwog schon, wo, — in welchem Raum, an welchem Platz — sie wohl sitzen würde, so ganz allein —. Kleinigkeiten erwog sie angestrengt: ob man die hohen Blattpflanzen, ihre Lieblinge, nicht fortgeben sollte, da sie nicht auf ihre Pflege achten konnte, wenn sie so von Stunde zu Stunde lief — —.