»Nein. Ich bin todmüde. Ich möchte irgendwo eintreten, wo ich etwas essen könnte.«
»Sie wollen nicht erst den langen Weg nach Haus?« Er besann sich. »Gehen wir zu Philippow? Oder ziehen Sie ein Restaurant vor?«
»Keins von beiden. Ueberall könnten Bekannte sein. Ich möchte dort in der Seitenstraße in eine der kleinen billigen Theebuden, wo kein Mensch hinkommt.«
Sie suchte ihn die paar Schritt weit hinzulenken.
»Aber, Ma! Da geht man mit einer Dame nicht hin.«
Marianne ließ geschwind seinen Arm los.
»— Dann lassen Sie mich allein hingehen — Ich nahm wirklich zu dem Zweck Ihre Begleitung an,« sagte sie und blickte aus so sonderbar müden Augen auf ihn, daß er sofort nachgab.
»Nun es sei, also wie Sie wünschen,« meinte er zögernd und führte sie dem kleinen Lokal zu, das mit einem breiten grellblauen Schild zum Eintritt lud. »Schließlich ist es eine warme Ecke, wie eine andre, wenn sie auch ein bißchen tief im Erdgeschoß drin liegt.«
Im Innern der Theestube hingen blendend saubere Leinwandvorhänge an den niedrigen, fast quadratischen Fensterchen, und auch das weiße Holz der simpeln Einrichtung sah so weiß und sauber aus, als müsse es Seifengeruch ausströmen. Im ersten Raum dampften ein paar mächtige blanke Kupfersamoware auf dem Schenktisch, und an den Wänden lagen bis hoch hinauf unendlich viele Schwarzbrote aufgestapelt.