»Aber nun wollen wir dennoch, während wir vor unsern Tellern sitzen, uns bemühen, so zu thun, als ob das Leben ganz annehmbar wäre, — was meint ihr? Aus hygienischen Rücksichten!« schlug sie munter vor, und das Lächeln vom verborgenen Seelengrunde kam ganz leise herauf und spielte verhalten um ihren Mund.

Das Fischgericht war hinausgetragen worden, und sie saßen beim Obst, als ein unerwarteter Besuch hereinkam.

»Ach, Ottilie, du! Wie lieb von dir. Du bekommst auch gleich dein Schälchen Kaffee, — starken,« sagte die Mutter.

»Nur auf einen Sprung! Ich war grade in eurer Nähe,« entgegnete ihre Schwester und begrüßte sie, »— weißt du, man trifft dich ja eigentlich nie, sonst käm ich nicht so selten.«

Ein ganzer Strom von Winterluft wehte mit ihr ins Zimmer. Hut und Handschuhe hatte sie garnicht abgelegt.

Sophie schob den Stuhl aus der Fensterecke, der als Lehne das Joch besaß, an den Tisch heran, denn auf den kurzbeinigen Schemeln saß ihre Tante höchst ungern.

»Danke,« bemerkte diese und nickte ihr zu, während sie Platz nahm, »— es ist wirklich euer einziger Stuhl, — wenigstens hat er einen Rücken, wenn man sich auch halb wie ein Pferd dabei vorkommt. — Nun, das macht nichts. Traulich ist es doch bei euch, wie jedesmal.«

Sie sagte es mit einer Art von liebevollem Neid. Traulich war es wirklich, und eine solche heitre Wärme, von irgend woher, über allem —.

Saß doch Marianne, in ihrem tiefroten Hausanzug, der sie nirgends beengte, und doch seltsam schmückte, da wie ein Bild der Ruhe und des Genusses. Die feierte in Wahrheit Feierabend. Sie saß da und atmete mit jedem Atemzuge Ruhe und Genuß aus, wie den Duft unsichtbarer Blumen.

»Gott, ja, du hast es gut! Wenn ich jetzt nach Hause komme, muß ich den Andrjuscha erst noch zu Bett bringen. Wobei er neuerdings schreit.«