»Besorgt denn nicht das alles eure Kindsfrau, Tante Ottilie?« fragte Cita und schälte der Tante eine Orange.

»Ich verlasse mich nicht gern auf sie, — ich muß immer alles selbst thun. Aber übrigens wär es zu undankbar, wenn ich klagen wollte. Nein, das sind ja so süße Pflichten. Man reibt sich gern für sie auf. Man ist für sie auf der Welt.«

»Du bist auch eine der gewissenhaftesten Mütter, die es gibt,« bestätigte die Mutter. »Und solche haben stets zu thun, selbst bei ausgiebigster Hilfe, — können eigentlich nie sagen: nun ruh ich mich aus.«

»Ja, siehst du: so, ganz so ist es, das behaupte ich immer!« rief ihre Schwester, ordentlich lebhaft, und lockerte ihre Hutbänder.

Bis unter den Hut lag ihr dunkelblondes Haar glatt von der Stirn zurückgestrichen, volles weiches Haar wie Mariannens, jedoch stärker ergraut als bei dieser, obwohl Ottilie um ein Jahr jünger war.

Marianne löschte zerstreut die kleine Spiritusflamme unter dem Kaffeekocher aus und füllte die flachen Täßchen. Ihre Gedanken schweiften unwillkürlich weit zurück in eine Zeit, wo auch sie noch ihre Kleinen zu Bett zu bringen, zu baden, zu füttern, zu besorgen hatte —.

Solch kleiner Nachwuchs, wie ihn Ottilie zu eigen besaß, das war doch etwas Köstliches. Köstlich das Heranwachsen, aber köstlich auch die Kleinen — —.

»Mein Mann reist nächstens nach Petersburg,« sagte die Schwester, »— natürlich kein Gedanke, daß ich ihn begleiten kann. Nun, damit find ich mich schon ab. Bis meine Inotschka ganz erwachsen ist, ist es für mich überhaupt nichts mit geselligen Freuden. Aber ihr wünschte ich wohl, daß sie nicht nur Moskauer Kaufmannskreise kennen lernt.«

Sophie rief: »Ach, inwiefern soll es dort besser sein? Ich habe Moskau gern. In Petersburg ist man weder im Auslande, noch in Rußland. Schrecklich lange Straßen, und was für ein Nebel —!«

»Tante Ottilie hat ganz recht,« bemerkte Cita, »dort ist man wenigstens in Europa! Man weiß wenigstens ungefähr, welches Jahrhundert man eigentlich schreibt, während hier —«