Und Tomasow überfiel plötzlich eine zornige, bittere Ungeduld wider alles, was er da selbst zu Marianne sprach. Alle die Worte von Glück und Freude erschienen ihm unwahr und schal. Er begriff plötzlich, daß er, an Mariannens Seite, doch immer nach einem suchen würde, nach eben dieser emporschauenden Zuversicht, nach eben dieser gläubigen Anlehnung an ihn, als an einen Stärkern, Ueberlegenen, — an den Herrn. Glück mit ihr genießen, das konnte nur heißen: ihr im Leben selber so hoch und stark als Mensch überlegen sein, wie er ihrs in einzelnen Stunden durch Verstand und Rat gewesen war —.

Tomasow verstummte.

Und Marianne merkte es kaum. Wie sie so an seinem Arm hinging, schienen ihr jetzt die Glocken über ihr mit den weithin hallenden Feierklängen nicht mehr dieselbe Sprache zu sprechen, wie die dringliche Stimme dicht an ihrem Ohr, — aus einer andern Welt schienen sie zu reden, als dies halblaute überredende Raunen von Feiertagsglück und abgeworfenen Sorgen —. Und immer mächtiger wurden die Glockenklänge und immer verhaltener die zuredende Stimme, und endlich vernahm sie nur noch Glocken, — Glocken allein — —.

»— Leben Sie wohl, Ma!« hörte sie unvermittelt Tomasow sagen, der stehn blieb. »Ich habe Ihre Antwort schon, noch ehe Sie eine Antwort in Worten gefunden haben. Und lassen Sie mich bekennen: Sie haben recht —«

»Tomasow,« fiel Marianne tief bewegt ein, »— warum wollen Sie so — —! — Sie sind immer und immer mein bester, einziger, liebster Freund —«

»— Gewesen!« ergänzte er rasch mit einem unmerklichen Lächeln, und dann, sich umsehend, trat er zur Seite. Es kam jemand von hinten her an ihnen vorbei und zog grüßend den Hut.

Hugo Lanz war es, der desselben Weges ging und Marianne hocherfreut begrüßte. Marianne mußte ihn Tomasow vorstellen.

»Ich eilte grade zu Ihnen, gnädige Frau,« bemerkte Hugo Lanz, »um Ihnen eine für mich freudige Nachricht mitzuteilen —«

»Das trifft sich in der That gut,« meinte Tomasow etwas heiser, »daß ich mithin die gnädige Frau in Ihrer Begleitung lassen kann. Mein Weg führt hier leider nach andrer Richtung.«

Marianne reichte Tomasow die Hand, zögernd, fast zitternd.