»— Aber doch auf Wiedersehen sehr bald —?« fragte sie mit nicht ganz beherrschter Stimme.
»Gewiß, gnädige Frau: sobald sich einmal gute Bekannte bei Ihnen versammeln, dann gestatten Sie mir vielleicht, auch dabei zu sein,« entgegnete er mit leichter Betonung dieser Antwort, beugte sich über ihre Hand, grüßte Hugo Lanz und entfernte sich, in die nächste Straße einbiegend.
Marianne ging statt vorwärts wieder zurück, ohne recht zu wissen und zu sehen, wo sie ging. Ein Angstgefühl umklammerte sie dumpf: sie konnte nicht fassen, daß das ein Abschied für das Leben gewesen war.
Sie machte eine gewaltsame Anstrengung, um sich Hugo Lanz zuzuwenden, dessen offnes Gesicht von Freude geleuchtet hatte, der aber jetzt ernst und still aussah, weil er sie so seltsam ernst vor sich hin gehn sah.
Er erzählte dennoch froh: »Soeben erst hab ich die Erlaubnis ausgewirkt, den nächsten Winter noch ganz frei zu bleiben, — und ich werde ihn hier zubringen. Meine Verwandten haben mich aufgefordert, bei ihnen zu wohnen. Und schon die Aussicht, Sie und Ihre Familie besuchen zu dürfen —«
»Das freut mich innig,« bemerkte Marianne leise, »doch werden Sie im nächsten Winter nur noch mich wiederfinden, — nicht mehr meine Töchter. Auch Sophie geht fort, folgt der Schwester ins Ausland.«
Hugo Lanz blickte Marianne mit aufrichtigem Schreck ins Gesicht. Die kleine Familienscene, der er beigewohnt hatte, stand vor ihm, Mariannens strahlendes Glück zwischen ihren Kindern, — auch dessen, was ihm Sophie mitgeteilt hatte, entsann er sich.
»— Ganz allein bleiben Sie —?« entfuhr es ihm voll Mitleid und in unwillkürlichem Unwillen.
Marianne wiederholte mechanisch: »— Allein —,« und sie nickte bejahend. Aber das dumpfe Angstgefühl in ihr verstärkte sich dabei, als risse es sie mit jedem Schritt gewaltsamer hinein in etwas Endloses, Grenzenloses, — wie in eine leere, gähnende Unermeßlichkeit, wo ihre Kinder und der Freund und alles, was ihr lieb gewesen war, alles Warme, alles Trostvolle, alles Hilfreiche, weiter und immer weiter zurückwich, — unerkenntlich geworden schon, — unaufhaltsam, unerreichbar — —.
Und mit dunkelm Grauen stieg in ihrer Seele eine Erinnerung auf an abgrundtiefe Einsamkeit, aus der sie doch nur die Hand des Freundes und der Blick ihrer Kinder gerettet hatte, — und sie fühlte, daß das dunkle Grauen nahe und näher über ihrer Seele zusammenschlug, — als würde sie unbarmherzig dahinein gestoßen von derselben Hand, von denselben Blicken, die sie einst rettend festhielten, — und als fände sie diesmal nie mehr, — nie mehr hinaus —.