Sie lachte ohne weiteres mit.

»Kommt nur herein. Tante Ottilie ist fort,« sagte sie.

Vor Tomasow sprach sie stets deutsch, wie mit den Kindern untereinander.

»Ja freilich! Die ist lange fort. Aber was verstecktest du dich denn vor uns, Ma? Dürfen wir deine geheimen Gedanken gar nicht wissen, aus denen wir dich herausgelacht haben?« fragte Sophie neckend.

»Jawohl. Ich dachte darüber nach, warum ich euch gutwillig mir dermaßen über den Kopf wachsen lasse, ihr Kinder,« entgegnete Marianne, und sie reichte dem Freunde die Hand zum Willkommen.

Sophie schlug entrüstet die Hände über dem Kopf zusammen, Cita aber erkundigte sich interessiert: »— Nun, — und das Ergebnis war, Ma —?«

»Es war: Wachset nur, — wachset!« sagte Marianne lachenden Mundes, und ihre Augen strahlten gütig.

Doktor Tomasow blickte unter halb gesenkten Lidern nach ihr hin. Sein bartloses Gesicht, das so offen jede Falte und Furche in den Zügen des hohen Vierzigers zur Schau trug, war in Bezug auf seine stummen Gedanken nicht plauderhaft. Hager, mit slavisch kurzer Nase und energischen Kinnlinien, — dem Grundriß nach ein russisches Barbarengesicht, war es vom Leben verarbeitet, vergeistigt, aber im Ausdruck wie verschlossen worden. Kurz, dicht und früh ergraut, wellte sich das Haar über der freien Stirn fast ganz grade empor.

Die beiden jungen Mädchen mußten ihn gut kennen. Als er sich nicht in ihr Scherzgespräch mit der Mutter mischte, blickten sie einander flüchtig an und zogen sich dann einmütig in ihr Zimmer zurück, — in Sophiens eigenstes Reich, das, über den Gang hinaus, nach dem Hofe zu lag, und wo jetzt Cita wohlgelittener Gast war.

Die Mutter sah ihnen nach, wie sie, nach einigen heiter gewechselten Worten, fortgingen: Cita mit ihrem festen, gleichmäßigen Schritt voran, und hinter ihr Sophie, die sich noch einmal mit einer graziösen Wendung umsah und lächelte.