Als sich die Thür hinter ihnen schloß, hob Marianne ihre Augen zu Doktor Tomasow.
»Nicht wahr, die Sophie ist schmal in den Schultern? Sie hustet.«
Er antwortete ruhig: »Das thun wir hier alle mehr oder minder zu dieser Jahreszeit. Sie sind mit dem Kinde etwas zu ängstlich, Marianne.«
»Ja, sie erinnert mich so an — —, auch er war zart.«
Und da sie einen zaudernden Ausdruck in Tomasows Gesicht wahrzunehmen wähnte, trat sie ganz dicht auf ihn zu.
»Tomasow! Wenn — nein, wenn —, Sie dürfen mir nie etwas verschweigen, nie —.«
Und sie erblaßte plötzlich.
»Aber! Aber!« sagte er mit seiner überredenden eindringlichen Stimme und nahm ihre Hände, wie die eines Kindes, in die seinen. »Verbieten Sie ganz harmlosen Dingen, mit Ihnen gleich so durchzugehn, wie wildgewordene Pferde. — — Ganz kalte Hände haben Sie auf einmal bekommen. Kälteres Blut wäre besser. — — Also: Sophie ist absolut gesund. Ich bürge Ihnen dafür. Die Aehnlichkeit, die Sie da eben andeuteten, beschränkt sich auf die zarte Hautpigmentierung, die mit so blondem Typus zusammengeht, — sie garantiert Sophie auf lange hinaus einen blendenden Teint, bei etwas Pflege. Nun, hübsch genug ist sie schon jetzt, dächt ich. Ein liebes, gutes, schönes Kind haben Sie an ihr, Marianne.«
Sie hörte ihm aufmerksam zu, unendlichen Glauben in den Augen.
Seine Gestalt, obwohl in den breiten Schultern unmerklich geneigt, überragte sie um ein gutes Stück. Sie erschien nicht mehr mittelgroß, sondern fast klein, und wenn sie beim Sprechen die Augen so zu ihm heben mußte, konnte man den Altersunterschied zwischen ihnen für beträchtlicher nehmen, als er in Wirklichkeit war.