»Aber gut ist es für Sophie, daß sie bei mir ist, und ich für sie sorgen kann, bis in jede Geringfügigkeit, — das finden Sie auch? Cita ist ja so vortrefflich aufgehoben in der Familie, bei der sie in Berlin wohnt, — ich korrespondiere ja auch mit den Leuten, — und doch, — für Sophie wäre das nichts —.«

Sie sah ihn dabei fragend an.

Tomasow zuckte die Achseln.

»Natürlich würde sie es nirgends in der Welt auch nur annähernd so gut haben, wie bei ihrer Mutter. Indessen, das ist doch selbstverständlich. Warum fragen Sie erst danach?«

»Ich weiß es nicht,« murmelte Marianne; »ich weiß nicht, warum sie mein Angstkind ist. In meiner Liebe zu ihr ist so viel Angst —. Darum muß ich manchmal von Ihnen hören, daß sie Ihnen keine Sorge macht.«

»Nein. Die machen höchstens Sie mir von Zeit zu Zeit, kleine Ma,« sagte er mit leisem, fast nachsichtigem Lächeln und gab ihre Hand frei.

Er nannte sie gar zu gern mit diesem Namensstummel, der daraus entstanden war, daß sich die Kinder in der Kindheit bisweilen herausgenommen hatten, die Mutter wie einen guten Kameraden »Marianne« zu titulieren, was Tomasow schon damals äußerst bezeichnend fand. Hin und wieder ließ jedoch das Erstaunen andrer sie mitten in diesem Unternehmen stecken bleiben. Zuletzt blieb von Mariannens Namen nur das übrig, was ein guter Wille auch als Anlauf zu dem Wort »Mama« nehmen konnte.

»Und die Einzigkeit der Silbe paßt zu ihr,« dachte Tomasow bei sich, »— dieser einzige Ton als Name, — es ist, wie wenn man etwas nur eben intonierte, was man nicht ganz nennen will, noch auch äußern kann. Weit, weit hinter dem einzelnen Ton ruht und klingt das Ganze —.«

Marianne war zum Schreibtisch getreten und schraubte die Lampe höher.

»Stehn Sie mir da noch immer im Rücken? Das ist ja unheimlich,« sagte sie, den Kopf nach Tomasow zurückwendend, und dann ließ sie sich müde vor dem Schreibtisch in dem alten Luthersessel nieder, der noch von ihrem Vater, dem Schuldirektor, stammte.