Aber Marianne wendete ihm den Kopf zu, und plötzlich streckte sie ihm die Hand entgegen: »Sie urteilen nach später,« bemerkte sie, »ja, da brauchte ich allerdings jemand über mir, brauchte Rat und Hilfe und Halt. — Einen Halt in der vollkommnen Heimatlosigkeit, eine Orientierung in der vollkommnen Fremde. — — Da brauchte ich Sie. Ich konnte nicht allein sein, so ganz allein im Finstern. — Und ich denke auch jetzt oft: meinetwegen das Allerbitterste überwinden, wenn nur eine warme menschliche Stimme dazu überredet, es befiehlt, anbefiehlt. — Ich weiß nicht, ob alle Frauenherzen so schwach sind. Ich bin es.«
Er hatte ihre Hand entgegengenommen und hielt sie, darauf niederblickend, einen Augenblick in der seinen. Ganz leicht strich er mit den Fingern über ihren Handrücken hin, der ein wenig rauh geworden war vom Wind und der Kälte dieser Wochen, die Marianne unausgesetzt auf die Straße trieben.
Er wußte, daß sie einen nervösen Widerwillen gegen rauhe, gerötete Hände oder aufgesprungene Lippen besaß. Als sie jung und glücklich war, da mußte sie sich gewiß, selbst unter schmalen äußern Verhältnissen, mit Entzücken gepflegt haben, wie ein schöner Mensch vor einem Fest.
Tomasow ließ Mariannens Hand sinken und stand auf.
»Was ist Ihnen denn? Sie wollen doch nicht schon gehn? Warten Sie noch ein wenig, und am besten: bleiben Sie zum Thee,« schlug Marianne vor, »Sophie wollte Ihnen so gern ihre Fortschritte im Geigenspiel vorführen, — mögen Sie? Dann machen Sie ihr die kleine Freude.«
»Ja, warum nicht?«
Tomasow war ans Fenster getreten und schaute vor sich hin.
Marianne öffnete die Thür nach dem Gang, rief dem Mädchen etwas zu und kam dann wieder zu ihm.
»Was schauen Sie denn so unverwandt an?« fragte sie und trat dicht an ihn heran.
Er zuckte die Achseln.