»Ich betrachte mir nur, was da in Reih und Glied zwischen den Doppelscheiben im Fenster aufgestellt ist,« entgegnete er und deutete auf eine Anzahl verdeckter Glasbehälter, »wie Soldaten mit Papierhelmen auf dem Kopf. Finden Sie diese Dinger nicht häßlich?«

»Sie sind nur häßlich, bis sie blühen. Dann kommen sie ins Zimmer, und die Papierkappen kommen fort. Und dann sind es Hyazinthen!« sagte sie tröstend, mit einem Lächeln.

Aber Tomasow war verstimmt.

»Hyazinthen? Wozu denn? Mögen Sie etwa diesen allzusüßen Duft? Es sind doch nicht am Ende gar Ihre Lieblingsblumen, Marianne?«

»Lieblingsblumen? — Rosen hab ich schon lieber, — und am liebsten, wissen Sie was? — am liebsten besäße ich ein ganzes Treibhaus und einen Wintergarten dazu!« meinte sie schelmisch. »Solche Hyazinthe unter ihrer Papierkappe ist nun eben mein Treibhaus. Man muß sie nicht allzudicht unter die Nase halten, sondern die Gläser im Zimmer gut verteilen, dann geht es schon. — Frühling und Duft ist es ja doch! Und ganz ohne die beiden mag ich so wenig sein, wie ganz ohne Musik.«

»Wegen der Hyazinthen werden ja hier die Doppelscheiben im Winter nicht eingeklebt, wie die übrigen,« bemerkte Sophie, die hereingekommen war und nach ihrer Geige suchte.

Tomasow zündete sich eine frische Zigarette an und setzte sich in der Nähe des Fensters nieder. Er betrachtete Marianne.

»Wie viel Genußfreudigkeit ist doch in ihr. Selbst jetzt noch!« dachte er. »Unausgegeben, aufgestaut! Köstlich müßte es sein, das zu lösen, zu befreien. Selbst jetzt noch.«

Sie saß wieder auf ihrem frühern Platz, den Kopf ein wenig geneigt. Während sie darauf wartete, daß Sophie die Kerzen am Notenpult anzünden und beginnen sollte, schien sie vor sich hinzuträumen, — vielleicht in Gedanken, die das kurze Gespräch mit Tomasow über ihr Eheglück vorhin in ihr geweckt haben mochte. So kam es ihm vor.

Etwas sehr Sanftes lag über ihren Zügen, ein Abglanz, wie aus der Jugend. Für die Mutter der beiden großen Mädchen hätte man sie in diesem Augenblick kaum gehalten.