Cita war leise eingetreten und stand noch an der Gangthür, um die ersten Geigentöne nicht zu stören. Auch sie schaute zu Marianne hinüber, und dabei kam auch ihr in den Sinn, wie schön ihre Mutter sei, — wie so sanft und schön sie doch jetzt eben aussehe.

Es berührte sie mit einem warmen kindlichen Stolz. Ihre dunkeln Augen erglänzten vor Freude.

In einer Pause des Spiels trat sie von hinten an Mariannens Stuhl heran. Und mit einer ihrer spontanen, unvermittelten Bewegungen umschlang sie die Mutter und küßte sie in den geneigten Nacken.

Dabei kehrte sich Cita halb gegen Tomasow, dessen Blick unverwandt auf ihrer Mutter ruhte. Cita sah unwillkürlich, mit einem hübschen Ausdruck, zu ihm hinüber, als wollte sie, an Marianne geschmiegt, entzückt sagen: »Wie lieb und schön sie ist, nicht wahr? Möchte man sie nicht auf dem Fleck totküssen?!«

Da verdüsterten sich plötzlich ihre Augen.

Irgend eine unerklärliche Befangenheit überfiel sie. Sie bückte ihren Kopf, wie abwehrend, gegen den Kopf der Mutter, und errötete langsam über das ganze Gesicht.

Tomasow hörte inzwischen zerstreut dem Geigenspiel zu. Er liebte und verstand Musik, musikalisch von Natur, wie fast alle Russen, aber heute war ihm nicht nach Sophiens Musik, die noch Nachsicht verlangte.

Ja ja! Daß die Kinder da waren, das hatte Marianne so unzugänglich erhalten und so vorzeitig ernst gemacht. Es machte sie bisweilen ergreifend schön, dies Ernstsein tief unter aller Heiterkeit, jedoch zu ernst, — allzu ernst für ihn —.

Tomasow begegnete bei dieser Erwägung Citas Augen, die ihn forschend anzusehen schienen. Sie stand noch an den Stuhl der Mutter gelehnt, als schütze sie ihn.

»Wie ein kleiner Polizist!« dachte Tomasow bei sich.