Citas kleine Ohren mochten aus den Worten nur den Klang aufgefaßt haben, — einen so ungewohnt freudigen Klang, daß er an etwas ganz Fernes, Süßes, schon halb Vergessnes mahnen mußte, was einst durch alle Worte der Mutter hindurchgejauchzt hatte, als seien es ebensoviel liebkosende Verheißungen.

So klatschte sie stürmisch in die Hände und sprach der Mutter nach: »Herrlich, ihr Kinder!«

Und in der schwülen Gewitterluft unter den reglosen Bäumen saß Marianne zum erstenmal mit einem Anflug von Lächeln da, wie am Vorabend von bessern, festlichern Tagen.

Tomasow aber dachte fast mit Abscheu an das lähmende, entnervende Arbeitsleben, das nun vor ihr liegen sollte. Und angesichts dieses Lächelns stiegen andre, schönere Möglichkeiten für die Zukunft vor seinen Gedanken auf — —.

»Unterschätzen Sie nur die Schwierigkeiten der Sache auch nicht allzusehr!« bemerkte er nach einer Pause mit zögerndem Warnen. »Es ist noch nicht sicher, ob Sie so brutalen Anforderungen an Ihre Spannkraft gewachsen sind.«

Marianne hob den Kopf und sah ihm mit zversichtlichem Vertrauen ins Gesicht. Ihre Hand lag auf Citas Haar.

»Daß ich ihnen nicht gewachsen bin, weiß ich wohl!« sagte sie ruhig. »Aber Sie werden mir helfen, über mein bißchen Können hinauszugelangen. — — Wollen Sie mir nicht dazu helfen —?«

»Ich will es gewiß, wenn Sie nicht bei näherm Zusehen selbst davor zurückschrecken!«

In Mariannens Augen trat ein Ausdruck wie qualvolle Erinnerung an die überstandenen Seelenkämpfe.

Sie murmelte: »Ich schreckte vor allem zurück, — vor jeder Minute, weil sie durchlebt sein wollte, — und war nicht auch das eine brutale Anforderung: — leben zu sollen —? Ich weiß, daß es mich noch manchmal überkommen wird, — daß ich dann nicht will, nicht kann, — ich werde mich gewiß noch oft vor dem Leben fürchten —.« Sie brach ab, ein Schauer ging über sie hin. Dann setzte sie jedoch langsam hinzu: »Deshalb muß jemand mir helfen, der meine Furcht und meinen Widerstand bricht, um der beiden Kleinen willen.«