Sophie war nach dem andern Fenster gegangen, wo neben einer Gruppe wohlgepflegter hoher Blattpflanzen ein Schaukelstuhl stand.

»Sind wir auch nicht gradezu Russen, so sind wir doch hier zu Hause,« meinte sie zögernd. »Und eigentlich möchte ich manchmal, wir wärens noch mehr! Wären zum Beispiel in einem stockrussischen Gymnasium erzogen worden, — wenigstens ich, Schwesterchen.«

»— Warum —?!«

Sophie blieb die Antwort auf diese erstaunte Frage schuldig.

Ihre zartgliedrige Gestalt dehnte sich lang aus im Schaukelstuhl, und sie legte den blonden Kopf mit seinen zwei schimmernden Flechten, die ihn kranzförmig umwanden, so weit zurück an die Stuhllehne, daß ihr Blick zur Zimmerdecke emporsah, anstatt auf die Schwester.

Erst nach einer kleinen Pause bemerkte sie ablenkend: »Uebrigens: diese niedrigen Decken abgerechnet, — findest du nicht auch, Cita, daß unsre jetzige Wohnung ganz ungeheuer behaglich ist? Ich freute mich so, als wir wegen Mas vieler Lehrstunden in dies gute Viertel ziehen mußten.«

Cita hatte sich auf den Fenstersims gehockt und strich sich in einer ihr eigentümlichen hastigen Bewegung mit der Hand durch ihr kurzverschnittenes welliges ganz dunkelblondes Haar.

»Gewiß, — sehr behaglich habt ihr es,« gab sie zerstreut zu, »aber es sollte wohl selbst der vertracktesten Wohnung schwer fallen, unbehaglich zu wirken, wenn unsre Mama sie bewohnt und einrichtet. — Aber daß sie dies Viertel gewählt hat, ist auch abgesehen von den Lehrstunden gut. Die meisten ihr bekannten Häuser liegen nicht weit von hier. Ich meine: das ist gut — besonders für später.«

»Wie denn: für später?«

Cita hob ihren hübschen Bubenkopf und blickte auf die Schwester.