»Verstehst du mich nicht? — — Für später, wenn sie hier allein ist, weil auch du irgendwo im Auslande studierst, — Medizin —«

Sophie lachte hell auf, wie über einen Scherz. »Was dir nicht alles einfällt! Daran denkt doch niemand im Traum!« bemerkte sie und wippte leise mit dem Schaukelstuhle.

Cita zog unwillig die dunkeln feinen Augenbrauen zusammen. »Ach Sophie, laß doch die Flausen, hinter denen du dich versteckst. Gewiß denkt jemand daran, im Traum und im Wachen: nämlich du selbst. Und aus diesem einzigen Grunde bedauertest du offenbar plötzlich, nicht ein stockrussisches Gymnasium hinter dir zu haben. Du erwägst in deiner Ratlosigkeit: könnt ich wenigstens hier —, wenn nicht schon im Auslande —«

»Ja, — Ma verlassen —: das thu ich eben nicht!« fiel Sophie erregt ein.

Cita entgegnete sehr ruhig: »Zeit wärs, zu wissen, was du selbst willst. Du bist neunzehn, hast seit Ostern dein Diplom. In dem Alter war ich schon fort. Und in anderthalb Jahren werd ich promoviert haben, — wenn nicht eher.«

»Mein Gott, damit brauchst du nicht zu protzen!« sagte Sophie empfindlich, »— so, wie Ma dir alle Wege geebnet hat. Sogar noch ehe Vaters Lieblingsschwester starb und jeder von uns das kleine Legat vermachte —«

»Ich protze nicht. Ma war reizend, in jeder Beziehung. Es spornt mich nur an, um so energischer ans Ziel zu gelangen.«

»Nun — und was weiter? Ich glaube durchaus nicht, daß weibliche Juristen heutzutage die geringsten Aussichten haben,« erklärte Sophie im Ton einer gezwungenen Bewunderungslosigkeit und wippte heftiger.

»Vielleicht heute noch nicht. Aber morgen. Uebermorgen meinetwegen. Wir Frauen arbeiten eben an einem Stück Zukunft. — — Und inzwischen, da will ich mir schon durchhelfen. Du mußt nicht glauben, daß ich nicht mehr vermag, als juristisch fachzusimpeln.«

»Ach nein, hoffentlich nicht. Denn das würde unsrer Ma auch ganz schrecklich sein.«