Tamara, die am Herde herumwirtschaftete, rief: »Ja, darin ist er gut, wirklich! Sie sollten nur wissen, was wir uns beide alles zusammenkochen. Aber ohne Herzklopfen geht es eigentlich nie ab. — — Die reine Nervenkur. — — Er thut es auch nur, um wenigstens gelegentlich zu beweisen, daß ich ihm neben seinen Vögeln doch auch was gelte.«

Sie kam aus der Küche, streifte die Aermel herunter und trat zu Marianne, die sich grade an den Vögeln ergötzte, die man im offenstehenden Arbeitszimmer sah. Jeder Platz, den die Bücher übrig gelassen hatten, gehörte den Vögeln, — toten, ausgestopften Bälgen — und lebendigen in zwei Riesenkäfigen, aus denen es zwitscherte, piepte und sang.

»Ja, denken Sie nur,« behauptete Tamara, »sein Getier konnte er sogar auf der Hochzeitsreise nicht vergessen. Ich konnte nicht gefühlvoll gegen ihn werden, ohne daß er mir sofort auseinandersetzte, wie es zum Beispiel die Enten und Gänse in ihren Liebesspielen untereinander halten. Damals schrieb er nämlich grade über die. Zuletzt war ich ganz beschämt, keine Gans zu sein.«

Ihr Mann wurde verlegen, aus seinen träumerischen dunkeln Augen sah er Marianne hilflos an.

»So war es gar nicht, — nein, so war es nicht,« bestritt er lebhaft. »Ich habe nur gesagt: ein Gelehrter zu sein, das ist nichts ohne Liebe. Man muß die Tiere lieben, dann versteht man sie gut. Und dann habe ich ihr erzählt, die Enten wären —«

Aber seine Frau fiel ihm ins Wort. Vom nächststehenden Tisch in seinem Zimmer hatte sie geschwind ein dickes Buch aufgegriffen, ein Werk von ihm, schlug es fachkundig auf und las mit heller Stimme:

»Beispielsweise — pagina 136: ›Alle Männchen ziehen sich nahe zusammen. Dann schwimmt je ein Weibchen zwischen ihren Reihen schnell hindurch. Hierauf schnellen die Männchen im Takt in die Höhe, biegen dann den Schnabel gegen die Bauchmitte und pfeifen a tempo. Verpaßt einer der Enteriche dabei den genauen Anschluß, so scheint das etwas Uebles zu sein: er muß alsdann seine Kräuselfedern in die Höhe richten und vernehmlich: ›Räp!‹ rufen —‹«

»Schäme dich! schäme dich!« rief Taraß laut, »ich habe dir nicht so was vorgelesen, — ich habe dir Lieder zur Gusli gesungen!«

»Ja, wissen Sie warum?« Tamara legte das Buch aus der Hand, »um mir mit kleinrussischen Klängen mein Nordrußland zu verleiden! Ist denn Kleinrußland noch Rußland?! Ach, wir zanken uns darüber noch bis zu Tode!«

»Nicht wahr! nicht wahr!« rief Taraß dazwischen, »die schönsten Lieder und die schönsten Sagen sind im Norden und Süden gleich! Der blinde Sänger unten bei uns singt dir, was bei euch gesungen wird. Aber vom Süden hinauf ist es gekommen!«