Ganz verträumt und zerstreut stellte sie sich vor, wie es wäre, wenn sie jetzt hingehn könnte und suchen und finden, und wie das ratlose Kind, anstatt in irgend eine letzte Dunkelheit, sich hinein verfangen würde in helfende, starke, mutterzärtliche Hände —.

Endlich erhob man sich.

Nikolai entfloh. Die kleinen Brüder machten ihre Runde mit einem schläfrigen, etwas schwankenden Kratzfuß und wünschten gute Nacht. Im Nebenzimmer wurde der schöne Flügel geöffnet, und Fräulein Clarissa setzte sich davor, um ein Arie aus Figaros Hochzeit vorzutragen.

Marianne griff der Gesang an. Die Stimme, ein prachtvoller Alt, erwies sich als zu groß für das nicht sehr geräumige Zimmer. Ottilie ließ sich augenscheinlich nicht weiter davon anfechten, übrigens war sie auch nicht sonderlich musikalisch.

Der Schwager setzte sich zu Marianne. Er schob ihr ein bequemes Kissen in das Sofa, dessen Polsterlehne im Rücken unbequem einfiel, und warf seine Zigarette fort. Etwas so Sorgliches besaß er.

»Findest du nicht: Tilie sieht schön und vorteilhaft aus, sogar neben der viel Jüngern, — ihr seid eine dauerhafte Rasse, ihr beide!« bemerkte er mit einem freudigen Blick auf seine Frau, die am Flügel stand.

»Ja. Ich bewunderte sie heute wiederholt,« gestand Marianne.

Er nickte eifrig.

»Einfach famos!« Und er versank in Gedanken über die Vorzüge seiner Frau, die er aufrichtig liebte.

Inotschka hatte sich hinter das Sofa geschlichen, gegen das sie sich lehnte, indem sie ihre Arme auf seiner Rückseite verschränkte, sodaß sie Mariannes Haar berührten.