Sophie saß beim Schreibtisch mit gefalteten Händen und den gemischten Gefühlen einer über ihre eigne Größe fast bis zur Verlegenheit erstaunten Märtyrerin.

Cita hatte inzwischen ihren Rat befolgt und war in gesunder Müdigkeit nach der langen Fahrt durch die Winterkälte fest eingeschlafen. Aber sie lag da mit finster zusammengerückten Augenbrauen und einem bösen Ausdruck um den Mund.

Die zurückgedrängte Bitterkeit in ihrem Herzen hatte noch ihre Schrift auf ihr Gesicht geschrieben. Ihr letzter klarer Gedanke war das Gelübde gewesen, mehr als je ganz allein auf sich selbst stehn zu wollen.

Doch als sie in das Land der Träume hinüberglitt, senkte sich dichter und dichter eine große Finsternis um sie. Sie schaute vergebens nach den Dingen aus, die ihr vertraut gewesen waren, nach den Stätten, an denen sie sich heimisch fühlte. Eine schwarze Wand wehrte ihr Durchgang und Ausblick.

Und da überfiel sie Angst, wie sie nur als kleines Kind Angst gekannt hatte.

Beide Hände legte sie vor die Augen, um wenigstens das Dunkel nicht zu sehen. Doch was sie nicht sah, das fühlte sie: wie alle Gegenstände und alle Fernen über sie her kamen, wie sie sich zusammenrotteten und ballten, um sie zu ersticken —

Da entrang sich ihr in dumpfem Entsetzen Mas Name. Mit leiser, furchtsamer Stimme rief sie nach Ma. War denn nicht auch Ma irgendwo unter all dem da draußen, was sie umdrohte und gefährdete? Dann würde sie alles entwirren, alles Böse abhalten —.

Aber Ma war nicht da.

Und plötzlich wußte sie, daß Ma nicht mehr da war, — das allein, nur das war die Finsternis ringsum — —.