Gegen Mitternacht fuhr ein Schlitten vor.

Marianne stieg die Treppe hinauf und öffnete so geräuschlos wie möglich die Thür zur Wohnung.

Alles blieb still. Also schliefen die Kinder bereits. So ging sie leise hinüber in ihr nach dem Hofe gelegenes Schlafzimmer neben Sophiens und Citas Stübchen.

Hier hatten zärtliche Hände schon für alles gesorgt. Die Lampe angezündet, die warmen Vorhänge vor dem Fenster zugezogen, jedes Ding bequem bereit gestellt, von der Wasserkaraffe auf dem niedrigen Tischchen bis zu den tiefroten, kleinen Tuchpantoffeln vor dem aufgeschlagenen weißen Bett.

Neben der Karaffe stand am Bett ein schmales Kelchglas mit einer Handvoll italienischer Anemonen darin, — blaßrote, violette, gelbe —, — ein wenig angewelkt noch von dem Weg hierher.

Die Blumen mußten die Mädchen heute abend bei den Bekannten geschenkt bekommen haben. Und sie wußten, warum die Mutter diese Erinnerungen an Italien und seine Sonne so leidenschaftlich liebte —.

Marianne hob die angewelkten Stengel behutsam einzeln aus dem Wasser und beschnitt sie unten etwas, damit sie besser saugen möchten. Dann ordnete sie sie neu, mit Bewegungen, die sie fast liebkosten.

Die feine kleine Freude machte sie warm und wach. Ach, daß die beiden schon schliefen, die Langschläfer! Jetzt hätte sie sich gern noch auf einen Augenblick an ihre Betten gesetzt und sie geherzt.

Ihr war so kindfroh und bewegt zu Mut.

Als sie das Licht angezündet hatte und die Lampe herausstellen und auslöschen wollte, bemerkte sie einen hellen Schein in der Thürritze des Wohnzimmers.