Hier fand sich allerlei noch von Großvaters, des Schulmanns, Zeiten her zusammen. Und manches wohl auch, was der Mutter nur ihr Beruf als Lehrerin praktisch aufgenötigt hatte. Aber der Mehrzahl nach standen die Bücherreihen gedrängt voll von den höchsten Schätzen, die Menschengeist gehoben hatte. Und all das war, Band für Band mühselig angeschafft, — Band für Band benutzt, abgegriffen, genossen —.

Das Mädchen kam herein und brachte die Lampe.

Sie war eine noch sehr junge und ein wenig blöd dreinschauende Person, die unschlüssig stehn blieb und Sophie fragend anblickte.

Diese erhob sich schweigend aus ihrem bequemen Stuhl und ging mit ihr hinaus. Das späte Mittagessen konnte man Stanjka nicht allein anrichten lassen. Denn so oft man das, nach allen guten Belehrungen, probeweise gethan hatte, wurde Stanjka düster und fing an zu weinen. Sie setzte sich dann auf die kleine Bank am Herd und klagte und betete unter Thränen zur Mutter Gottes, die sie laut als Zeugin dafür anrief, daß es ihr sicher nicht gegeben sei, ein Mittagessen wohlbekömmlich herzustellen.

Das kleine Heiligenbild, braun und unkenntlich hinter seiner blanken Zinnbekleidung, hing vorschriftsmäßig in der Küchenecke, sah immer zu und mußte es folglich genau wissen.

Daß es zufällig gar keine Muttergottes war, vielmehr ein heiliger Nikolaus, das hatte sich Stanjka nicht klar gemacht, jedenfalls focht es sie nicht weiter an. Wenn sie nicht grade »höhere« Arbeit verrichten sollte, sondern sich im Gröbern tummeln durfte, blieb sie strahlender Laune und bewältigte alles mit Herzenslust.

Während Sophie noch mit ihr in der Küche herumwirtschaftete, schellte es laut und dringlich.

Cita war schon gegangen, um die Wohnungsthür zu öffnen. Ihre Mutter stand davor, noch etwas atemlos vom raschen Gange.

»Da hab ich richtig vergessen meinen Schlüssel mitzunehmen, — mußte schellen,« sagte sie und trat hastig ein, »— ein Wind draußen, Kind, — Sophie ist doch nicht etwa unnütz an die Luft gegangen?«

»Aber nein, Ma. Wie müde mußt du heute sein, du Arme.«