Tomasow zog einen Stuhl heran.

»Nun lassen Sie einmal sehen, Marianne! Jetzt bitte ohne alle Hinterhalte. Wie ist es denn mit Sophie? Sie machen doch ihrer Freude am Studium die weitgehendsten Konzessionen. Sie veranlaßten mich noch selbst, ihrem Verlangen nach ganz bestimmten Fachbüchern nachzugeben —«

»Ja,« sagte Marianne hastig, »so ist es ja auch. Weil doch ihr Interesse grade hierfür alle übrigen Interessen so entschieden überwuchs. Und wenn ich nun bedenke, daß Sophie die höhern Kurse besucht, und daß sie Sie zum Berater hat und vorwärts lernt, so viel sie nur will, — ist es damit nicht genug? Muß sie durchaus auf den praktischen Arzt studieren, — muß sie von mir fortgehn —?«

Tomasow zuckte scheinbar erstaunt die Achseln.

»Nein, selbstverständlich muß sie das keineswegs. Sie beruft sich dabei einfach auf ihr Reifezeugnis zum Universitätsbesuch und auf ihre Neigung, so zu handeln. Beides braucht ganz und gar nicht den Ausschlag zu geben. — Indessen: ob ich sie für genügend befähigt dafür halte, ob mir die Sache aussichtsvoll erscheint, — auch das haben Sie doch schon nebenher von mir zu erfahren gesucht, Ma.«

Marianne entgegnete heiser: »Ja, aber umsonst. — — — Verstehn Sie denn nicht, Tomasow: ich wollte wissen, wie Sie sich selbst insgeheim dazu stellen, — wie Sie selbst — eventuell — in meiner Lage handeln würden. Aber Sie antworteten stets nur auf ganz bestimmte praktische Fragen, eingehend und gewissenhaft. Dabei erfuhr ich das mir Wesentliche nicht.«

Tomasow erhob sich. Er antwortete zurückhaltend: »Nein, natürlich nicht. Denn abgesehen von den möglichen praktischen Ueberlegungen, gibt es da eben keine letzte, objektiv gültige Entscheidung. Was ich thäte, wenn ich Töchter hätte, kann ich nicht so abstrakt von vornherein feststellen, vielleicht — möglicherweise — wäre meine Erziehung der Ihrigen sogar entgegengesetzt von allem Anfang an. Vielleicht wäre sie weltlich, oder philiströs, oder gleichviel wie! Ganz genau aber kann ich feststellen, was Sie thun werden, — Ihrem ganzen Sein und Wesen nach, und das hätt ich Ihnen längst sagen können, wenn Sie es hätten hören wollen. Und offenbar, wenn ich nicht völlig irre, kamen Sie jetzt auch nur dazu hierher: nicht um meine Meinung zu erfahren, sondern um — nun, um eine letzte kleine Feigheit zu überwinden, die Sie bisher noch hinderte, sich selbst anzuhören.«

Marianne sprang nervös auf.

»Wie reden Sie denn nur! Sie quälen mich!« murmelte sie gereizt, die Stimme voll Thränen.

Seine Augen richteten sich mit einem eindringlich forschenden Blick auf sie.