»Meine liebe Ma!« versetzte er dann. »Die Dinge sind nun einmal, als was sie uns erscheinen. Suggestion ist schließlich alles. Ich halte mich für sehr wohl im stande, stärkern Wesen als ein Mädelchen wie Sophie ihr Studium für alle Ewigkeit hinaus zu verekeln, unerträglich zu machen, — und ebenso bürge ich dafür, daß ich ein viel zarteres kleines Menschenkind, als sie ist, mit etwas Kraftaufwand durch alle Schwierigkeiten und Fährlichkeiten derselben Sache mit Erfolg hindurchbringen würde.«

Marianne machte eine hilflose Bewegung. Sie suchte nach Worten, — lehnte sich innerlich auf gegen die Worte, die ihr kamen, — und endlich entschlüpfte es ihr leidenschaftlich: »— Nein — o nicht! Sophie nichts anthun! Nichts Hemmendes, nichts Arges —. Nichts gegen ihr Wachstum, nichts gegen ihre Kraft und Freudigkeit —,« sie unterbrach sich und hielt erschrocken inne.

»... nichts gegen ihren Wunsch, fortzugehn —?« ergänzte Tomasow.

»Also doch!« murmelte er, als sie darauf nichts antwortete.

Er nahm ihre Hand in die seine, küßte sie fast unwillkürlich und hielt sie fest, während er sich dicht über Marianne neigte: »Kind! Jetzt haben Sie sich richtig selbst in die Entscheidung hineingestoßen, — jetzt besiegen Sie auch die Angst, die Sie haben, weiter zu sprechen. Sehen Sie nun ein, wie wenig es hilft, Ihnen helfen zu wollen? Sie laufen ja doch gradeswegs in das hinein, was Ihnen das Schwerste ist und Sie ängstigt. Und eben deshalb muß es entschieden sein! Dieser hingezogene Kampf ist ein Wahnsinn. Verwerfen Sie meinen Vorschlag von vorhin, so siegt Sophie. Soll sie das —? Soll sie gehn dürfen, oder soll sie bei Ihnen bleiben —?«

»— Gehn!« sagte sie und brach in ein bitterliches Weinen aus.

Tomasow ließ sie mehrere Minuten gewähren.

Er atmete tief auf und ging einigemal im Zimmer auf und ab. Sein Gesicht behielt dabei den gespannten, aufmerksamen Ausdruck.

Dann kam er wieder zu Marianne. Er zog ihr leise, mit sanftem Zwange die Hand von den Augen, die sie verdeckt hielt.

»Nun ist es aber genug!« äußerte er lächelnd, »zeigen Sie Ihren Nerven den Herrn. — Wollen Sie nicht eine Tasse Thee nehmen? Sehen Sie, dort steht das ganze Geschirr noch, — ich war grade dabei, als Sie kamen. Zur Strafe trinken Sie ihn nun kalt, natürlich.«