Tomasow ergriff ihre Hand und nahm sie in seine beiden Hände. Er sagte ermutigend: »Versuchen Sie es nur! Bleiben Sie nicht mitten im Kampf stecken, der Ihren Nerven stündlich härter zusetzen wird — überstehen Sie es schnell ganz. Hinterher kommt die allheilende Ruhe. — Glauben Sie, daß Sie es mir versprechen können?«
»Ja. Ich will es thun,« sagte sie traurig.
»Dann lasse ich Sie ruhigen Herzens fort. — Wenn Sie erlauben, geleite ich Sie selbst an einen Schlitten,« bemerkte Tomasow und führte Marianne durch die Bibliothek hinaus.
Er schellte nicht dem Diener, sondern gab ihr selbst den Mantel um. Marianne that seine Art so wohl, wie einem leise umsorgten Kinde.
»Ich bin ganz zerschlagen und wund,« meinte sie mit einem mühsamen Lächeln, »aber ich danke Ihnen, Tomasow.«
»Ach, Ma —« er stockte und murmelte: »Wenn Sie nur — wenn Sie wenigstens ohne Groll herdenken. Es ist eine schändliche Aufgabe, die mir wiederholt zufällt, Ihnen weh thun zu müssen, Sie zu etwas Hartem ermannen zu müssen. — Die Erleichterung wird auch diesmal nachkommen, ich hoffe es mit Bestimmtheit. Aber die Ueberwindung ist deshalb nicht minder schwer.«
Marianne schwieg. Sie stand, fest an ihn gelehnt und schloß die Augen.
Nein, so feige würde sie doch nie sein, sich nicht immer diesem unbestechlichsten aller Freunde mit ihren Nöten und Schwächen anzuvertrauen, weil er streng gegen sie war! Ein großer Dank gegen ihn stieg in ihr auf. Wenn nur er ihr blieb —!
Tomasow verstand die stumme Antwort vollkommen.