Er öffnete die Thür und rief Andrian zu, einen Schlitten vor das Gitterthor zu winken.

Dann geleitete er Marianne durch den verschneiten Vorgarten, half ihr einsteigen und knüpfte ihr die Felldecke um die Kniee.

»Ich bin heute viel aus,« bemerkte er dabei, — »darf ich gegen Abend für einen einzigen Augenblick bei Ihnen vorsprechen? Mich überzeugen, wie alles steht —?«

Marianne nickte. Sie wußte, wovon er sich überzeugen wollte —. Dann also mußte es schon geschehen sein —. Ihr schlug das Herz stärker bei dem Gedanken.

Als der Schlitten fortfuhr, ging Tomasow langsam ins Haus zurück.

Andrians Gesicht strahlte, er freute sich immer, wenn er Marianne sah, denn es kam vor, daß sie sich von ihm Geschichten aus dem Dorfleben erzählen ließ, und das war ihm das Höchste. So erfuhr sie manche Einzelheit aus Tomasows Kindheit, der als kleiner Bursche, zu Besuch beim Großvater, — einem echten alten Bauern, — mit Andrian noch barfuß umhergelaufen war.

»So ein Mütterchen, — wirklich, so ein prächtiges!« entschied Andrian, und sah seinen Herrn lächelnd an, während er seine schwachen kurzsichtigen Augen zukniff, die der Schnee blendete. Ganz wie sein Herr trug er einen Kneifer, wenn auch keinen goldnen, und nur einen mit dunkelm Schutzglas. Er fühlte sich sehr stolz auf diesen Kneifer, und kam sich darin ganz wie ein Ausländer vor.

Tomasow würdigte Andrian keiner Antwort. Er ging schweigend in sein Zimmer hinüber und ließ den Thee forträumen.

Nachdenklich schritt er dabei auf und ab.

»So ein Mütterchen!« In seinen eignen Erinnerungen spielte Elterntreue eine große Rolle. Den Vater hatte er wenig gesehen: der hatte sich zum Kaufmann und Reeder heraufgearbeitet, ungeheuer erwerbstüchtig, ungeheuer strebsam, bewußt einseitig, ohne Zeit sich Bildung anzueignen: alles das für die Kinder. Die sollten dann alles haben: Bildung, Macht, Geld, Glück. Zwei Schwestern von Tomasow verheirateten sich früh und ansehnlich. Und er, als Student der Medizin, in jugendlichem Enthusiasmus fast in nihilistische Umtriebe verwickelt, voll drängender, unruhiger Energie, kam immer wieder ins Dorf zurück, zum Großvater. Wenn er den Alten vor sich sah, eisgrau, mit den klugen, beredten Augen unter den buschigen Brauen, dann erschien er ihm in seinem Schafspelz wie ein ganz Großer, wie ein Fürst oder Gewaltherr. Herr in seiner Hütte, auf seinem Felde, Ahnherr eines starken Geschlechts. Dies Dorfbild behielt für Tomasow eine sonderbare Poesie —.