Plötzlich blieb er mitten im Hin- und Herschreiten stehn. Er horchte. Drüben im Dienerzimmer unterhielt sich Andrian mit Batjuschka. Er pfiff ihm russische Weisen vor und erzählte —.

Tomasow beschlich ein leiser Neid. Wenn Andrian seinen Kneifer fallen ließ, so war er wieder der Bauer von einst, aller europäische Firniß fiel einfach von ihm ab. Wer das ebenso machen könnte, oder aber sich eine neue Welt bauen —. Ja, der wäre erst des »Mütterchens« wert —.

Er stand auf und horchte auf das Geplauder und Gezwitscher in der Dienerstube.


Ma erwartete zu Hause eine Ueberraschung.

Ihre beiden Mädchen waren soeben heimgekommen. Noch stand die Wohnungsthür weit offen, und ein Bauersmann mühte sich eben damit ab, einen hohen herrlichen Weihnachtsbaum in der Stube unterzubringen.

Sophie sah die Mutter glückstrahlend an. Es war doch eine gute Idee, das mit dem Baum! Es war ihre Idee. Ma hatte ihn sich doch so sehr gewünscht, und wenn sie ihr auch erst gestern abend etwas weit Großartigeres darbringen wollte, so erleichterte sie dies doch für den Augenblick.

Cita stand noch in Mütze und Pelzjacke und lohnte den Mann ab; mitten im Wohnzimmer erhob sich jetzt die Tanne und duftete wirklich wie ein ganzer Wald. Oben stieß sie sogar ein wenig an die geweißte Decke an, sodaß sie ihre höchste Spitze krümmen mußte, von der Seite jedoch breitete sie ihre Aeste ebenmäßig und tiefgrün, wie ein schirmendes Dach, über Mas Schreibtisch aus.

Sophie hatte sich an das geöffnete Pianino gestellt, das der Baum von der andern Seite überschattete, und unter seine Zweige gebückt, suchte sie ein paar Accorde eines alten Weihnachtsliedes.

Die Mutter äußerte nichts, bis der Mann hinausgegangen war. Sie sah blaß aus, und ihre Augen besaßen etwas so Stilles, so nach innen Gekehrtes im Blick.