Jonas schwieg gekränkt. Wenn sie wüßte, wem sie das sagte; — wenn sie wüßte, daß er freiwillig darauf verzichtet hatte, ihr seine Ueberlegenheit zu zeigen, sie in Furcht zu versetzen, sie zum Bitten und Schmeicheln zu bewegen! Denn, hätten sie »Schlangenbändiger« gespielt, da wäre er doch wohl der Herr gewesen. Und sie war so dumm, ihm zu glauben, die Schlange sei wirklich entschlüpft.
Jonas brannte die Zunge, Ruth von seinem Opfer zu erzählen. Aber er fand, das verbiete ihm sein Mannesstolz. Lieber noch wollte er sich die Zunge abbeißen, wenn die Schwatzlust zu groß wurde.
»War ich Egmont, so hättest du mein Klärchen sein müssen,« sagte er; »warst du es etwa?«
»Nein, natürlich nicht. Dazu kam ich ja gar nicht. Denn allein hättest du ihn doch nie herausgebracht. Und er ist doch das Wichtigste, wie du dir denken kannst. Das Klärchen kann man streichen.«
»Ich habe aber keine Lust, mich zu deinem Hampelmann herzugeben! Sei meine Frau!« schrie er ärgerlich und stampfte mit dem Fuß auf.
Ruth war vom Geländer herabgeglitten. Sie stellte sich ans niedrige Flurfenster, an dem der Regen herunter rieselte, und drückte ihr Gesicht platt gegen das Scheibenglas, so daß es sich satyrhaft verzog. Wenn Jonas wütend wurde, dann überschlug sich jedesmal seine Stimme: sie schwankte immer zwischen zu hoch und zu tief. Das brachte Ruth immer zum Lachen.
Da riß Jonas seine Mütze vom Mantelständer und stürzte hinaus.
»Lauf nur zu deinen albernen Mädchen!« rief er grimmig, »ich bin ein Junge!«
Am Ende war Ruth gar nicht das Ideal einer Frau, wie er sie brauchte. Andromeda hatte sich bereit erklärt, ihrem Erretter als Sklavin durch alle Länder zu folgen. Ruth würde so etwas nie thun, es würde ihr gar nicht einfallen, — davon war er fest überzeugt.
Von der Terrasse aus steckte Jonas seinen Kopf durch das offene Fenster des Wohnzimmers und fragte, ob er noch bis zum Abendthee einen Kameraden aufsuchen dürfe.