Er sagte es scherzend, aber der Blick, mit dem sie ihm antwortete, war so ernst, daß er ihm im Gedächtnis blieb.
Erik setzte sich an den Tisch zurück und plauderte mit seiner Frau von alten Zeiten. Jonas fand, nun könnte Ruth mit ihm hinausgehen, aber sie blieb sitzen und hörte zu.
Draußen hatte es angefangen, stärker zu regnen; Jonas lehnte in der Hausthür an der Terrasse und schaute prüfend hinaus. Als Ruth endlich vom Mittagstisch aufstand und in den Flur trat, bemerkte er: »Wenn wir doch wenigstens bei Regenwetter ›Mann und Frau‹ spielen wollten. Das paßt so gut fürs Haus. Denn wenn die Sonne scheint, thust du es doch nicht. Und dann ist es auch etwas, was du bei deinen albernen Mädchen nun einmal nicht haben kannst.«
»O doch!« versicherte Ruth und schwang sich auf das Geländer der schmalen Holztreppe, die nach ihrem Giebelstübchen hinaufführte, »das haben wir im Schulhof oft genug miteinander gespielt.«
»Das muß aber eine schöne Wirtschaft gewesen sein, ohne einen wirklichen Jungen!« meinte Jonas verächtlich. »Und ich möchte doch so viel lieber dein Mann sein, als der Mann in all den Räubergeschichten, bei denen ich mich immer so anstrengen muß.«
»Aber ich möchte nicht deine Frau sein,« sagte sie kaltherzig und saß und schaukelte mit den Füßen, »und dann wäre das auch noch viel anstrengender für dich. Sei doch froh, daß du bei alledem jedesmal die Hauptperson und der Held bist.«
»Nein, das bist du eben immer!« warf er ihr mißmutig vor.
»Nein, Jonas, das ist bestimmt nicht wahr. Du bist es ganz allein. Warst du nicht erst gestern der Egmont? Und neulich —«
»Ja, im Anfang!« unterbrach er sie gereizt; »aber wenn du mir alles immer erst vorsagst und womöglich auch noch vormachst, dann bin ich es ja gar nicht in Wirklichkeit, sondern nur du.«
»Ich kann doch nichts dafür, wenn du dumm bist.«