»Das wird er leider nicht. Er reist nur durch. Sein Ziel ist Moskau. Dort ist irgend eine Aerzteversammlung. Morgen früh am Bahnhof werde ich Näheres erfahren. Ob er seine Frau wohl mitgebracht hat?«
»Zu einer Aerzteversammlung?« bezweifelte Klare-Bel.
»Warum nicht? Ich glaube, sie sind in ihrem geistigen Leben eng verwachsen. Römer heiratete sehr jung, die Frau machte seine ganze Sturm- und Drangperiode noch mit durch. Das gab ihrer ganzen Ehe den Charakter.«
»Haben sie keine Kinder?« fragte Klare-Bel, die dieser Punkt besonders zu interessieren pflegte.
»Ich glaube nicht.«
»Keine Kinder?« wiederholte Klare-Bel im Tone des Bedauerns. Nichts war ihr an ihrem Leiden so hart erschienen, wie der Umstand, daß sie nicht wieder Mutter werden konnte; »das ist doch eine traurige Ehe, so zu zweien.«
»Soviel ich mich erinnere, haben sie nicht immer zu zweien gelebt. Sie hatten wiederholt ein junges Mädchen bei sich, das an der Universität studierte.«
»An der Universität studierte? Können junge Mädchen das?« erkundigte sich Ruth erstaunt.
Erik blickte sie mit einem Lächeln an.
»Jawohl. Solche junge Mädchen wie du,« sagte er; »es steht dem ja nichts im Wege, daß du eines der nächsten Hauskinder bei Römers wirst. Hast du Lust dazu?«