Klare-Bel, die neben dem abgeräumten Tisch lag und in Lenneps Novellen las, blickte bei seinen Worten verwundert aus.
»Es ist nur gut, daß er noch an so was denkt,« bemerkte sie, als sein Kopf vom Fenster verschwunden war, »denn jetzt denkt er Tag und Nacht nur noch an das Mädchen, Erik.«
»Strohfeuer!« versetzte dieser.
Er stand und schaute verträumt hinaus. Seine Gedanken weilten noch in der Vergangenheit. Seine Frau nahm den morgenden Tag nur als eine willkommene Zerstreuung, und darüber freute sie sich für ihn. Ihm war es mehr als das.
»Findest du, es schadet nichts?« fragte Klare-Bel besorgt: »aber du meintest doch selbst, Jonas sei flüchtig und zerstreut im Lernen geworden.«
»Das ist er wohl ein wenig, aber was ihm an Schulweisheit vielleicht dadurch abgeht, erhält er tausendfach wieder in glücklicher Anregung, die seine geistigen Kräfte belebt und aufschüttelt. Das ersetzt ihm keine Schule.«
»Er ist freilich noch wie ein Kind. Aber Jonas ist anhänglich. Wenn er nun sein Herz so ganz an sie hängt —?«
»Dann laß ihm diese Erinnerung, Ruth begegnet zu sein. Er kann es an nichts Besseres hängen, Bel.«
Sie schwieg darauf. Das holländische Novellenbuch entglitt ihren Händen. Sie faltete sie im Schoß.
»Wie hoch er sie stellt!« dachte sie im geheimen erschrocken.