Als er am Hause ankam, das unter den regungslosen Bäumen in der Nachthelle dalag, wich langsam die noch erregte Stimmung einem Gefühl ruhiger Freude, wieder daheim und bei den Seinen zu sein. Bei den Seinen! Auch Ruth gehörte jetzt dazu. Gehörte ihm zu.

Er stieg leise die Stufen zur Terrasse hinauf und warf einen Blick auf die Giebelstube, wo sie jetzt schlief und träumte. Da, als er fast geräuschlos die Hausthür aufgeschlossen hatte, knarrte die schmale Holztreppe, die vom Flur nach oben führte, unter einem leichten Fuß. Völlig angekleidet, nur das Haar ein wenig wirr um den Kopf, erschien Ruth auf dem untersten Treppenabsatz.

»Aber, Ruth, was fällt dir ein? Wie konntest du aufbleiben? Schnell ins Bett!« sagte er.

Er schalt, doch klang es sehr herzlich. Empfand er doch ihr liebes Gesicht wie einen Willkommgruß.

»War es schön?« fragte sie entgegen und blickte ihn mit großen überwachen Augen an, »sollte ich denn dabei schlafen? Nein, das konnte ich nicht! denn ich war auch da, — immer mit da. War es schön?«

Er faßte nach der sich ihm entgegenstreckenden Hand und hielt sie fest. Alle Eindrücke des Tages, alle Erinnerungen, die von ihnen aufgewühlt worden, verflogen; er hatte den ganzen Menschenstrom hinter sich gelassen und war nur noch ganz allein mit ihr.

Was bedeutete ihm alle Anregung, ja, was aller so ersehnte Beifall oder Erfolg, nach dem er im Leben gegeizt und gerungen, gegenüber dem zarten Lob, wie es aus Ruths kindlicher, gläubiger Hingebung an ihn redete? Wie schal und brutal erschien ihm daneben alles, was von einer Menge ausging und sich laut äußerte. Nur wessen Sinne zu stumpf geworden für so feinen Duft, der mochte nach schärfern Würzen suchen.

Dieser Gedanke flog Erik durch den Kopf und darüber vergaß er zu antworten.

Er sah gut aus im Gesellschaftsanzug, den weiten Mantel lose umgeworfen, regenbesprüht, und darüber das belebte Gesicht. Wie sie so einander gegenüberstanden in der schweigenden Nacht, während die ganze Welt um sie her im Schlummer lag, erschienen sie beide wie gesättigt mit Leben; und etwas Verwandtes schien aus beider Ausdruck zu sprechen, — verwandt über Alter und Geschlecht hinaus, — ein Lebenverlangendes, Lebenforderndes. Es war dasselbe, was Erik so verwandt berührt und ergriffen hatte, als er Ruth zuerst im Schulhof sah, mit dem Uebermut in den Augen und den erhobenen Armen.

Sie standen und schwiegen, und um sie her träumte die magische Helle, in der Abend und Morgen unmerklich ineinanderschmolzen.