»Hätte ich nicht fortgehen sollen, Ruth?« fragte er unwillkürlich und blickte sie mit einem Lächeln an.
»Doch! aber mich mitnehmen!« entgegnete sie, und im Klang ihrer Stimme verriet sich die ganze Sehnsucht und Selbstentrückung, in der sie den Tag über umhergegangen war. Erik verstand sie nicht ganz, er nahm die nachträgliche Bitte kindischer und tatsächlicher, als Ruth sie meinte, aber Blick, Ton und Haltung drückten es so kindlich aus, daß sie sich in seiner Abwesenheit wie verloren gefühlt hatte, daß eine tiefe Rührung über ihn kam.
Ihm schien, Ruth sah wie verzaubert aus, — anders, lieblicher als sonst.
Im Hause blieb es ganz still, und beide sprachen mit gesenkter Stimme. Nur durch die offen gebliebene Hausthür zog es ganz leise wie ein geheimnisvolles Raunen und Rauschen, — ein Flüstern, das draußen durch das niedrige Gebüsch ging, — die erste Ankündigung des neuen Tages.
»Es ist Zeit!« sagte Erik aufschreckend, »lege dich schlafen. Gute Nacht! Guten Morgen. Liebling!«
Und mit einer raschen Bewegung zog er sie an sich, — fest, so daß sie an seiner Brust lag, und küßte sie auf den Mund.
Als er sie ebenso rasch wieder losließ, hatte Ruth seine Hand ergriffen und drückte ihre warmen Lippen darauf.
Dann flog sie geschwind die schmalen Stufen zu ihrer Giebelstube hinauf.
Erik öffnete die Mittelthür im Flur, die in das Zimmer von Jonas führte. Er mußte hindurchgehen, um sein dahinter gelegenes Schlafzimmer zu erreichen. Dabei wachte Jonas auf.
»Na, Papa, war es schön?« fragte auch der und drehte sich schlaftrunken auf die andre Seite; »hat es denn auch Champagner gegeben?«