Damit schlief er weiter.

Erik stieß ein Fenster auf und blickte in die lichte Ferne hinaus. Ein farbloses, blasses, gleichmäßiges Grau breitete sich in der Stube aus, und der dämmernde Morgen fing an, sie mit herber Kälte zu erfüllen.

Das leise Raunen und Rauschen schlich nicht mehr flüsternd am Boden hin, es hatte sich höher erhoben. Es bewegte die Zweige der wilden Akazien, die dicht vor dem Fenster standen, und dann schwoll es machtvoll an, bis es in majestätischem Brausen die alten Wipfel durchklang, die vorhin lautlos gegen den hellen Nachthimmel starrten.

Wie ein Morgenchoral klang es, und — ganz leise, — versuchend, wie im Halbschlafe noch, fiel hie und da ein kleiner froher Vogellaut ein. Und bald darauf, gleich einem Aufjauchzen, ein lang gezogener unermüdlicher Buchfinkentriller.

Erik hatte sich zur Ruhe gelegt, aber mit wachen, lauschenden Sinnen nahm er das Nahen des Tages auf, und es kam ihm vor wie eine geeignete Begleitung zu seinen Gedanken, die noch an Ruth hingen. Denn auch über ihnen lag eine zarte und halbverhüllte Stimmung, eine Morgentraumstimmung, so schien ihm.

Noch nie hatte ihn die Empfindung so gepackt wie heute, daß sie ja unwiderruflich zu einander gehörten, daß sie im Grunde gleichgeartet, gleichen Wesens seien. Und nun erst meinte er ihre Bitte zu verstehen: »Mich mitnehmen!« Was er war, das wollte auch sie sein, denn nur in ihm erfaßte und ahnte sie sich selbst. Der gleiche Lebensdrang schlummerte stark und freudig in ihnen beiden. Nur daß in ihr aus unbewußtem, unberührtem Naturgrunde hervorbrach, was in ihm bewußter Entschluß, Verstand und Wille gewesen. Und daß in ihr mit reiner Flamme brannte, was in ihm die Berührung mit dem Leben mit Schlacken und Asche vermengt hatte.

Und über diesen unklaren Gedanken fing Erik an zu schwärmen.

Der erste Jubel der Vögel draußen legte sich, und der Morgenwind schwieg still. Wieder ragten die alten Bäume regungslos gegen den Himmel, durch dessen Blau zerrissene weiße Wolken schwammen. In einem breiten Goldstrom flutete das Sonnenlicht durch das Gemach.

Hinter Eriks geschlossenen Augenlidern malte es lächelnd rosige Farben. Im Sonnenschein war er eingeschlafen.

Er erwachte viel später als sonst und besann sich nicht gleich, weder auf den gestrigen Tag, noch auf die Nachtstunde. Irgend ein Traum, ein wunderbarer, von dessen Vorgängen er aber nichts mehr wußte, hielt ihn noch fest in Bann. Und offenbar aus diesem Traum heraus kam ihm zwingend die seltsame Frage: »Ist sie schön? Ich weiß es nicht; ich glaube eher: nein. Aber sie sieht aus wie — Ruth. Es ist ja Ruth.«