»Das ist gut!« sagte sie eifrig und nickte, »je mehr, desto besser. Aber alle werden nicht kommen dürfen, und manche werden bald wieder fortbleiben. Daß die Braut da ist, nimmt vielen die Lust zu so etwas fort.«

»Die Braut?«

»Ja. Denn da denken sie nun, so schön könnten sie es jetzt bald alle kriegen. Und dann hat ja all das andre keinen rechten Zweck mehr, meinen sie. Denn sie finden: Braut sein, das sei doch das Allerhöchste. Darüber haben wir uns vorgestern im Schulhof unterhalten.«

Er blickte auf sie.

»So. Und was hast denn du dazu gemeint? Hast du auch gefunden, daß es das Allerhöchste sei, und daß dann all das andre keinen rechten Zweck mehr hat?«

»Ich? Das kann ich ja gar nicht wissen. Wie soll ich wissen, wie es dann ist? Aber ich brauche es doch auch gar nicht zu wissen. Denn ich kann niemals Braut werden,« sagte Ruth.

Das Wort erschütterte ihn in seiner nervösen Erregung. Er war so betroffen, daß er nicht gleich antworten konnte. Dann entgegnete er: »Wie kommst du auf diesen wunderlichen Gedanken? Wo hast du diesen Einfall her? Du bist ein Kind, das nichts davon voraussehen kann, wie sein zukünftiges Leben sich gestalten mag. Und deine Phantasie soll nicht damit spielen. Du sollst nicht damit spielen!« wiederholte er mit plötzlichem, unmotiviertem Zorn. »Sage mir, wie du darauf gekommen bist.«

»Es ist von selbst gekommen,« sagte sie einfach, »ich habe nicht damit gespielt. Es ist gekommen, weil ich wußte: um Braut zu werden, muß man einen lieb haben. Und das kann ich ja nicht mehr. So lieb kann ich in der ganzen Welt nie mehr jemand haben.«

»Wie lieb, Ruth?«

Seine Stimme klang gedämpft und heiser.